Und wieder hat nichts mit nichts zu tun

Noch weiß man nicht alles über das schreckliche Attentat am 14. Juli 2016 im französischen Nizza, aber in deutschen Medien steht bereits fest: Mit dem Islam hat das nichts zu tun. Im Deutschlandfunk trällerte der frühere Grünen-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit: „Es ist einfach ein unfassbarer Terrorismus. Ich nenne das islamischen Faschismus. Das ist nicht der Islam, das ist eine Ausformung genauso wie der Nationalsozialismus eine Ausformung oder ein Ergebnis ist oder kommt aus einer bestimmten europäischen Tradition. Das ist jetzt aus dieser Tradition ein Faschismus und den muss man zerschlagen, und da sind alle gefragt.“

Interessant am Interview mit Cohn-Bendit ist zweierlei: Zunächst musste der mediale Komplex auf einen abgehalfterten Grünen zurückgreifen, dem wegen seiner (von ihm früher selbst öffentlich dargelegten) pädophilen Neigungen nicht mehr so häufig Mikrofone unter die Nase gehalten werden. Offenbar ist es der ersten Reihe peinlich geworden, in immer kürzeren Abständen erklären zu müssen, nichts habe mit nichts zu tun. (Nebenaspekt: Interessant ist auch die Gleichsetzung Islam und Faschismus. Aus der sich da auftuenden Antisemitismus-Falle mit interessanten Überschneidungen von Nationalsozialismus und der „Religion des Friedens“ dürfte selbst Cohn-Bendit nur schwer herauskommen.)

Zweitens versucht der politisch-mediale Komplex nicht mehr, die wahre Identität und Herkunft der Täter mit Hinweis auf französische oder belgische Staatsangehörigkeiten zu verschleiern und von „Franzosen“ oder „Belgiern“ als Tätern zu sprechen. Vermutlich haben die Leute das nicht mehr geglaubt. Sowohl bei Cohn-Bendit als auch bei der Nachrichtenagentur Reuters ist jetzt von einem „Franko-Tunesier“ die Rede.

Und dann ging im Deutschlandfunk in einem Interview mit dem Terrorismus-Experten Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) noch einiges schief. Ausgerechnet Steinberg als Vertreter einer staatsfinanzierten Weichspül- und Beruhigungsorganisation stellte fest, dass der Terrorismus sehr wohl was mit dem Islam zu tun hat, wie schon am 1. Juli 2016 der Migrationsforscher Ruud Kopmanns in der FAZ, der zu dem Ergebnis kam, „dass der islamische Radikalismus leider sehr viel zu tun hat mit der Art und Weise, wie im Mainstream der islamischen Welt mit Andersdenkenden und Andersgläubigen umgegangen wird“.

Und hier nun der Auszug des Interviews im Deutschlandfunk: „Herr Steinberg, Daniel Cohn-Bendit von den Grünen hat eben bei uns im Programm sinngemäß gesagt, islamistischer Terrorismus oder Islamismus habe nichts mit dem Islam zu tun. Kann man das so sagen?

Steinberg: Nein! Ich halte das für absolut falsch. Selbstverständlich hat das was mit dem Islam zu tun. Aber eben nicht notwendigerweise mit den 4,3 Millionen Muslimen hierzulande oder mit den vielen Muslimen in Europa, die ja absolut friedlich sind. Wir haben es hier mit Terrorismus zu tun. Der beruht auf einer Ideologie. Die wiederum beruht auf einer Islam-Interpretation. Und die ideologische Motivation, die ist ungeheuer wichtig. Man sieht das vor allem daran, dass der IS unter Verweis auf seine eigene Ideologie, unter Verweis auf die Existenz eines sogenannten Islamischen Staates sehr, sehr erfolgreich rekrutiert. Und das einzige Gemeinsame, dass all diese Rekruten haben, ob sie arm sind, reich, marginalisiert, oder auch gut ausgebildet und mit guten Zukunftschancen, das ist diese gemeinsame Ideologie. Das ist eine religiöse und die hat natürlich etwas mit dem Islam zu tun.“

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