Paarlauf mit Oppermann

Die wirklich effizienten Coups des politisch-medialen Komplexes sind ja erst dann richtig gut, wenn die Bürger sie (beinahe) nicht bemerken. Ein schönes Beispiel lieferten jetzt in einem traumhaften Paarlauf der Deutschlandfunk und Thomas Oppermann, Fraktionschef der SPD im Bundestag. Letzterer gab ersterem ein „Interview“, stellte sich also den Fragen des Redakteurs Christoph Heinemann – alles zur prime time im öffentlich-rechtlichen Nachrichtensender („Alles von Relevanz“).

Routiniert pflügte man sich volle neun Minuten durch einen Fragenkatalog, der sich nur um die Themen „Steuern“ und „Incirlik“ drehte – und zudem vor allem zwei Eigenschaften hatte:

1.) ….spiegelte er die kurz zuvor von Oppermann gegebene Pressekonferenz zum Thema „Steuern“ breitest wider, kaute alle Fragen dazu durch und bot dem in den letzten Wochen bemerkenswert still gewesenen Obersozi minutenlange Gelegenheit zur Selbsterläuterung („Ich stehe in der Tat ausgeruht wieder an meinem Schreibtisch.“)

2.) …. wurde keine einzige jener Fragen gestellt, die so manchem Bürger in den letzten Wochen eingefallen sein dürften:

– Wie steht die Fraktion/Oppermann zu Sigmar Gabriels originellem Vorschlag, die Mineralölsteuer automatisch zu erhöhen, wenn der Benzinpreis sinkt?

– Wie findet Herr Oppermann eigentlich die Idee des Bundesjustizministers Heiko Maas, eine linksextreme, zur Gewalt gegen Polizeibeamte aufrufende und im Verfassungsschutzbericht ausführlich erläuterte Hass-Band öffentlich zu belobigen?

– Wieso hat Oppermann eigentlich der MdB Petra Hinz über Jahre hinweg nicht nur nicht auf die Finger geschaut, sondern als Jurist nicht gemerkt, dass sie eine solche nicht ist – und sie gleichwohl für die Fraktion in den wichtigen Haushaltsausschuss entsandt?

– War da noch irgendwas mit hunderttausendfacher illegaler Migration oder mit implodierenden Euro-Staaten?

Nein, dieses und vieles andere, was für Oppermann unangenehm und für den Gebührenzahler „von Relevanz“ hätte sein können, wurde nicht gefragt.

Gut gemacht, DLF. Danke, GEZ.

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2 Antworten zu Paarlauf mit Oppermann

  1. Medienbeobachter schreibt:

    Die Rolle des Deutschlandfunks bei der Konstruktion der öffentlichen Meinung wird unterschätzt. Tatsächlich haben die Macher des DLF eine Reihe von Tricks, um die öffentlichen Meinung zu formen:

    – Der DLF nutzt massiv seine Möglichkeiten, die öffentliche Meinung per Einladepolitik und per Gesprächsführungstaktik zu formen.

    – Man lädt einen Interviewpartner ein, von dem man erwarten kann, was er zu sagen hat, und präsentiert anschliessend die so bestellte Meinung als Nachricht in den Nachrichten

    – Besonders gerne lädt der DLF am frühen Morgen im Morgenmagazu ab 6 Uhr Politiker der Grünen ein. Deren Meinung gilt dann als Standard, denen oft andere Politiker und / oder Meinungmacher gerne folgen.

    All dies kommt relativ unauffällig daher, hat m.E. aber massive Auswirkungen auf das Meingungsklima, die der DLF v.a. nutzt, um die Politik unserer dezeitigen Kanzlerin zu stützen.

  2. Franz Lisztig schreibt:

    Schließe mich meinem Vor-Kommentierer an. Außerdem kommt hinzu, daß bei solchen „öffentlichen“ Interviews die Fragen vorher abgesprochen sind, also der Interview-Partner genau den Ablauf kennt und seine Antworten vorbereiten kann. Daher wäre es sehr überraschend, wenn solche Fragen -wie in Ihrem Text- gestellt würden, denn die werden vorher rausgefiltert.

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