Parteien: Wettlauf in die Bedeutungslosigkeit

Die Blockparteien haben allein in den letzten fünf Jahren rund 150.000 Mitglieder verloren. Seit 1990 haben die einstigen Volksparteien CDU und SPD rund die Hälfte ihrer Mitglieder eingebüßt, Die Linke sogar 79 Prozent. Der FDP kamen 68 Prozent ihrer Mitglieder abhanden, der SPD 53, der CDU 44 und der CSU in Bayern (wo die Uhren langsamer gehen) 23 Prozent. Die Grünen haben 40 Prozent mehr Mitglieder als 1990, sind inzwischen aber auf der Verliererstrecke angekommen. Insgesamt büßten die Blockparteien seit 1990 1,2 Millionen Mitglieder ein – Vertrauen der Bürgerschaft sieht anders aus.

Eine Untersuchung des Berliner Parteienforschers Oskar Niedermayer ergab, dass die SPD die CDU beim Wettlauf in die Bedeutungslosigkeit inzwischen überholt hat. Weil die Truppe vom dicken Siggi Gabriel noch schneller Mitglieder verliert als Angela Merkels CDU, ist die Kanzlerinpartei mit 444.400 Mitgliedern jetzt größte politische Partei in Deutschland. Dabei hat auch die CDU 2,9 Prozent verloren, aber weit weniger als die SPD mit minus 3,7 Prozent. Die Sozialdemokraten haben jetzt noch 442.814 Mitglieder. Die CSU verzeichnete ein Minus von 1,5 Prozent (144.360), die FDP verlor 3,2 Prozent und Die Linke 2,6 Prozent (58.989).

Interessant ist, dass auch die Grünen das zweite Jahr in Folge Mitglieder verloren haben, nachdem sie seit ihrer Gründung nur einen Aufwärtstrend kannten. Dieses Mal beträgt der Verlust fühlbare 1,5 Prozent (59.989 Mitglieder). Die „Alternative für Deutschland“ (AfD) meldet steigende Mitgliederzahlen auf inzwischen 22.451. Ende 2015 sollen es erst 20.101 gewesen sein.

Neben dem Verlust der Mitglieder macht den Blockparteien vor allem die Überalterung zu schaffen. Parteiversammlungen erinnern heute an Rentnertreffen, junge Leute sind Mangelware. In ländlichen Regionen beginnen sich die Parteistrukturen aufzulösen. Das Durchschnittsalter des typischen Blockparteien-Mitglieds liegt bei 50 bis 60 Jahren. Niedermayer beobachtet „eine kontinuierlich abnehmende gesellschaftliche Verankerung der Parteien“. Nicht nur das. In zehn Jahren wird das Durchschnittsalter noch höher sein, die Leistungsfähigkeit der Verbände erheblich abnehmen. Die Ortsverbände und -vereine werden einschlafen wie Altenheimbewohner vor dem TV-Gerät.

Es entsteht – genauso wie schon bei den christlichen Kirchen, Gewerkschaften und anderen Verbänden zu beobachten – ein Vakuum, auch wenn die jeweiligen Spitzenkräfte noch regelmäßig im Fernsehen auftauchen und den gegenteiligen Eindruck suggerieren. Das Akzeptanzproblem im Volk betrift längst nicht mehr nur Parteien. Ein weiteres Symptom ist der dramatische Auflagenverlust der Systempresse – von „Bild“ bis zu kleinsten Regionalzeitung.

Wie in der Naturwissenschaft gibt es aber auch in der Politik kein Vakuum. – Da draußen entsteht etwas Neues. Es ist zu spüren. Vielleicht ein neues Zeitalter. Die AfD ist nur ein Anfang – gewiss nicht das Ende einer Entwicklung, in deren Verlauf die einstigen Volksparteien den ihnen zustehenden Platz auf dem Müllhaufen der Geschichte einnehmen werden.

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