Auch Linke sind reaktionär

Der französische Schriftsteller Michel Houellebecq ist in Berlin mit dem Frank-Schirrmacher-Preis ausgezeichnet worden. In seiner Dankesrede diagnostiziert er westliche Müdigkeit und prognostiziert Europas Untergang. Die Rede ist schon jetzt legendär. Dafür wurde sie von allen deutschen Nachrichtenagenturen verschwiegen, so dass in Lügenpresse keine Berichterstattung stattfand. Lediglich im Berliner Tagesspiegel fand sich am 28. September 2016 ein Hassartikel unter der Überschrift „Der Zündler vom Dienst“, in der Autor Gregor Dotzauer von einer „wirren Rede zum Frank-Schirrmacher-Preis“ schreibt.

Wir bringen hier den Link zur Rede und einen genussvollen Auszug, der überhaupt nicht wirr ist:

„Zum ersten Mal kann man Reaktionär sein, nicht weil man rechts ist, sondern weil man zu links ist. Ein Kommunist oder jeder, der sich den Gesetzen der Marktökonomie als letztem Ziel widersetzt, ist ein Reaktionär. Ein Anhänger staatlicher Souveränität oder jeder, der strikt gegen die Auflösung seines Landes in einem föderalen europäischen Raum ist, ist ein Reaktionär.

Jemand, der den Gebrauch der französischen Sprache in Frankreich verteidigt oder jenen jeder anderen Nationalsprache in ihrem jeweiligen Land und der sich der universellen Verwendung des Englischen entgegenstellt, ist ein Reaktionär.

Jemand, der der parlamentarischen Demokratie und dem Parteiensystem misstraut, jemand, der dieses System nicht als die Ultima Ratio politischer Organisation begreift, jemand, der es gerne sähe, dass der Bevölkerung öfter das Wort erteilt wird, ist ein Reaktionär.

Jemand, der dem Internet und den Smartphones wenig Sympathie entgegenbringt, ist ein Reaktionär. Jemand, der Massenvergnügungen so wenig mag wie organisierten Tourismus, ist ein Reaktionär.“

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Eine Antwort zu Auch Linke sind reaktionär

  1. echsenwut schreibt:

    Wohin soll diese seltsame Weinerlichkeit führen?
    Sind die „Werte“ des Westens tatsächlich so schwach, dass man sie verteidigen müsste? Können sie sich nicht gegen etwas Neues durchsetzen? Können sie nicht Neuankömmlinge überzeugen?
    All dies wütend-bissige „Verteidigen“ führt zum Verletzen genau der Werte, die man ja angeblich verteidigen will. Sind all die tausende schwere, brutale wie kleine, alltägliche Gemeinheiten, Anschläge und Zerstörungen, die gegen Migranten und Flüchtende entfesselt werden, etwa eine „Verteidigung“ – oder sind sie nicht vielmehr Verrat?
    Wenn der, der anders aussieht, sich jetzt umziehen muss – wo ist da die Freiheit?
    Wenn der, der anders spricht, jetzt Mollis ins Schlafzimmer geworfen bekommt, wo ist da der so vielbeschworene Humanismus?
    Was da passiert, ist kein „Reaktionismus“. Die blöde, wütende Entfesselung von Gewalt durch Xeno- und Islamophobe spricht nur von einem wildgewordenen, unvertständigen Mob, verdient aber doch nicht das Adeln durch eine Vokabel wie „Reaktionismus“!
    Dieses bemühte Hochstilisieren von keifenden Horden, die sich nur um ihren privilegierten Platz am Sozialtopf und vor der Aussicht fürchten, dass ein Fremdsprachler mit mangelhafter Ausbildung (!) ihnen (!) Arbeitsplätze wegschnappen könnte, ist nichts als das lauter werden eines unteren Gesellschaftsrands.

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