Die Liebe der Medien zu Fidel Castro

Es ist gut zwei Wochen her, da verfiel unsere politisch-mediale Klasse geschlossen in einen „Schock“, weil in der größten Demokratie der Welt ein Mann zum Präsidenten gewählt wurde, den Medien und Politik hierzulande dafür nicht vorgesehen hatten. Oder, wie der österreichische rot-grüne Spitzenkandidat Alexander van der Bellen es aktuell ausdrückt: „Wähler können sich irren.“

Dass es auch ganz anders geht, beweisen die deutschen Medien landauf, landab seit Samstag morgen. Da wurde bekannt, dass der Jahrzehnte wütende sozialistische Diktator von Sowjets Gnaden, der Folterer und Massenmörder Fidel Castro, der mehr als ein Drittel des kubanischen Volkes außer Landes getrieben hat, gestorben ist. Schauen wir doch mal geschwind, was dazu etwa das mit „Demokratieabgabe“ finanzierte „tagesschau.de“ schreibt: „Charismatisch, machtbewusst und charmant: Die Frauen liebten Fidel dafür, und er liebte sie.“ Und, ja, „er bestimmte rund 50 Jahre lang die Geschicke des Landes“ (Zeit online) – wie das nun mal so ist bei diesen Schlingeln, die immer alles selber machen wollen. Und das, natürlich, immer für einen guten Zweck: „Er verwirklichte nach und nach seine politischen Vorstellungen eines kommunistischen Landes: Wohnraum, Bildung und kostenlose Gesundheitsfürsorge für die gesamte Bevölkerung.“ Denn, nicht vergessen: „Mit seiner Unbeugsamkeit gegenüber den USA fand Castro aber in Lateinamerika auch über das linke Lager hinaus Anerkennung.“

Grandios auch die FAZ, die uns vom „dienstältesten Präsidenten der Welt“ berichtet – auch das hat er seinem „Amtskollegen“ Donald Trump voraus, nicht wahr? Mutig notiert man immerhin: „Er war aber auch für seinen Jähzorn und seine Sturheit bekannt.“ Was für Abgründe an charakterlicher Schwäche hier mutig und kritisch thematisiert werden! Der Laudator der Süddeutschen entdeckt bei dem stundenlang monologisierenden Diktator gar ein „ein philosophisches Spätwerk“ von Essays und Kommentaren. Grandios auch, wie Heribert Prantls Demokratie-Postille den Alltag in der kommunistischen Diktatur, in der zehntausende im Gefängnis schmoren und alle Bürger selbst minimaler Menschenrechte beraubt sind, umreißt: „Mit den Jahren geriet die Begeisterung zwar zur oft nervigen Routine, penetrant übertragen und nachgedruckt, während viele Kubaner dösten und auf den Spielfilm oder die Sportnachrichten warteten.“ Und dies alles, man lese und staune, „unter seiner Leitung“. Die einen leiten eben einen Kirchenchor, andere eine Diktatur mit jährlicher Spitzenplatzierung bei Amnesty International – man kann es sich nicht immer aussuchen…

Grandios auch der Text des öffentlich-rechtlichen heute.de. Dort erfahren wir, dass Castro von Che Guevara „die Feinheiten der Guerilla-Taktik“ erlernte. Der Stalinist Che Guevera, der als „Polizeichef“ von Havanna nicht Falschparker verfolgte, sondern dutzende politische Gefangene ermordete, war ein guter Lehrer. Heute.de weiß über Castro: „Mit harter Hand baut er Kuba um: Er lässt nicht nur ausländische Unternehmen beschlagnahmen, er enteignet auch seine eigene Familie. ‚Was zum Teufel macht Ihr mit meinem Land?‘, soll seine aufgebrachte Mutter Lina geschimpft haben. Gleichzeitig leitet Castro eine Bildungsoffensive ein und gewährt allen Bürgern Zugang zu kostenloser medizinischer Versorgung.“

Fidel Castro und seine sozialistische Einheitspartei waren in den 50 Jahren so erfolgreich, dass sie ihr Wirken kein einziges Mal einer freien Presse aussetzen oder durch demokratische Wahlen und Gewaltenteilung legitimieren lassen mussten. Insofern konnten auch keine Wähler irren. Auch dies hat Kuba den USA voraus.

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Eine Antwort zu Die Liebe der Medien zu Fidel Castro

  1. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    Der Tod Castros bietet in der Tat die Gelegenheit festzustellen, dass die überwiegende Mehrzahl der „Medienschaffenden“ nach Selbstauskunft zum einen links der Mitte stehen und zum anderen auch in toto weitaus linker als die Durchschnittsbevölkerung. Da „Väterchen Fidel“ grundsätzlich in der richtigen Richtung unterwegs war, hielten sie ihm zeit seines Lebens die Stange. Interessant für Menschen, die reflektieren und sich eine eigene Meinung erarbeiten: Wie konnte es kommen, dass Terroristen wie Castro und Guevara zur Pop-Ikonen wurde? Wer hatte Interesse daran? Und warum…? Haben die Sowjets T-Shirts drucken lassen? Nein? Wer dann….?

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