Lügenpresse warnt vor falschen Nachrichten

Dass wir das noch erleben dürfen. Ausgerechnet Lügenpresse warnt vor falschen Nachrichten, bekommt angesichts der von ihr nicht mehr zu kontrollierenden öffentlichen Debatten Schnappatmung. In der angeblich in Hagen (NRW) erscheinenden „Westfalenpost“ lesen wir am 13. Dezember 2016 in einem Kommentar von Michael Backfisch zu angeblichen Falschmeldungen im Internet: „Die Propaganda-Abteilungen der Politik (Anm.: gemeint sind übrigens nicht die der Berliner Politik) … operieren nicht mit Fakten, sondern spielen mit Stimmungen, Ressentiments und blankem Hass. Auch Hackerangriffe setzen auf die Verwirrung der Öffentlichkeit. In den USA sollen Cyberaktivisten mit Verbindungen zur russischen Regierung politisch heikle Informationen aus Computern der Demokraten gestreut haben. Zweck: Die Glaubwürdigkeit der moskaukritischen Kandidatin Clinton sollte beschädigt werden, der erklärte Putin-Freund Trump die Wahl gewinnen. Nach Einschätzung von Verfassungsschutz-Chef Maaßen ist damit zu rechnen, dass Moskau versucht, die Bundestagswahl 2017 zu beeinflussen. Derlei Propaganda-Mechanismen sind eine Gefahr für die Demokratie, wenn sich mündige Bürger nicht wappnen. Es gibt zwar kein Patentrezept für die Erkennung von Falschmeldungen. Aber man kann das Risiko vermindern: Fakten checken, Quellen nachprüfen, einen Blick in das Impressum des Mediums werfen. Wenn hier nur eine dubiose Adresse im Ausland steht, sollten die Alarmlampen aufleuchten.“

Backfischs Worte erinnern stark an frühere Zeiten, als das Hören von ausländischen „Feindsendern“ verboten und mit schweren Strafen belegt oder von der DDR versucht wurde, den Empfang von RIAS mit Störsendern zu verhindern. Heute gehen die Alarmlampen vielmehr beim Konsumieren inländischer Nachrichten und Erzeugnissen von Lügenpresse an. Denn nach wie vor gilt: Wenn Du eine ausländische Zeitung lesen musst, um die Wahrheit über Dein Land zu erfahren, bist Du entweder Nordkoreaner oder Deutscher.

Und jetzt befassen wir uns mit der Westfalenpost. Der über den „Newsroom“ der staatsnahen Nachrichtenagentur adn dpa losgelassene Kommentar suggeriert, dass es sich bei der Westfalenpost um eine Zeitung mit Redaktion in der am Rand des Ruhrgebiets zum schönen Sauerland hin gelegenen Stadt Hagen handelt, wo ein Redakteur namens Backfisch mit Blick auf die von Rot-Grün zu verantwortenden Industriebrachen und heruntergekommenen Wohnviertel zur Feder gegriffen hat. Die Annahme ist irrig, nur die Industriebrachen und heruntergekommenen Wohnviertel gibt es tatsächlich.

In Wirklichkeit sitzt dieser Backfisch ausweislich des Mitgliederverzeichnisses der Bundespressekonferenz für 2016/17 in der „Funke Zentralredaktion“ in 10117 Berlin in der Friedrichstraße 70, mitten im Herz des politisch-medialen Komplexes, wo er und 17 andere Qualitätsjournalisten für verschiedene Zeitungen Texte schreiben und Zeitungsseiten bauen – auch für die Westfalenpost. Seine Mailadresse zeigt, dass er nichts mit der Westfalenpost zu tun hat: michael.backfisch@funkemedien.de. Wer ihn anruft, landet nicht in Hagen, sondern ausweislich der angegebenenen Telefonnummer 030 – 2009782-58 in Berlin.

Die „Westfalenpost“ gibt es als eigenständige Zeitung mit Sitz in Hagen gar nicht mehr. Dort kloppen ein paar frustrierte Redakteure für die schrumpfende Leserzahl Lokal- und Regionalseiten zusammen. Der Kommentar von Backfisch soll den Eindruck erwecken, hier handele es sich um einen Beitrag aus einer Regionalzeitung, zumal für Rückfragen sogar eine Hagener Telefonnummer (02331 – 9174160) angegeben wird. Das ist Etikettenschwindel durch Benutzen falscher Herkunftsangaben. Im Netzauftritt findet sich im Kommentar kein Hinweis, dass der Text in Berlin entstanden ist und der Autor dort seinen Sitz hat – früher war so was eine Selbstverständlichkeit. Im Online-Impressum erfolgt kein Hinweis auf die Funke-Zentralredaktion, obwohl in Berlin alle maßgeblichen redaktionelle Teile der Westfalenpost produziert werden.

Wer solch dubiosen Quellen glaubt, soll sich über Falschinformationen nicht wundern.

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