Lügenpresse reloaded: Auflagenverfall geht weiter

Das neue Jahr 2017 beginnt mit guten Nachrichten: Lügenpresse setzt ihren Auflagensinkflug konsequent und überzeugend fort. Besonders heftig erwischt hat es wieder die Bild-Zeitung. Kein Wunder, dass sich Kai Diekmann vom Hof gemacht und den Springer-Verlag verlassen hat.

Springers Flaggschiff Bild sinkt um 186.016 Exemplare auf 1,622 Millionen. Das ist ein sattes Minus von 10,3 Prozent. Es wundert nicht weiter, wenn man von „Bild“-Chefredakteurin Tanit Koch solche Weisheiten hört wie: „US-Präsidenten sind eine Autorität. Donald Trump ist bislang nur autoritär.“ Das weiß diese Qualitätsjournalistin schon wenige Tage nach Amtseinführung Trumps. Wenn Koch so weiter macht, werden wir Bild noch sechsstellig erleben, und – ehrlich gesagt – wir können es gar nicht abwarten.

Die Süddeutsche Zeitung (Prantl-Prawda) hat es nur mit einem kleinen Zahlentrick bei den Remissionsexemplaren geschafft, ihr Minus auf 0,7 Prozent zu begrenzen. Im nächsten Quartal, so berichtet meedia.de, soll der Trick nicht mehr funktionieren. Die Süddeutsche gibt 2.091 Exemplare ab und hat noch 305.059 Exemplare. In diesem Artikel werden übrigens nur die Zahlen aus Abonnements und Einzelverkäufen betrachtet. Kostenlose Massenabwürfe der Verlage in Uni-Kantinen oder an Flughäfen werden nicht berücksichtigt. Die Zahlen vergleichen das vierte Quartal 2016 mit dem vierten Quartal 2015 und sind von der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (IVW) erhoben worden.

Der „Spiegel“, das einstige „Sturmgeschütz der Demokratie“ (Rudolf Augstein) ist nur noch ein Schatten früherer Größe; wer das dürre Heft in der Hand hält, weiß, dass die guten Zeiten ein für alle mal vorbei sind. Inzwischen werden am Redaktionssitz Hamburg Kündigungen an Mitarbeiter verschickt. Die Auflage fiel erneut um 16.023 auf 584.602 Exemplare (minus 2,7 Prozent). Der „Stern“ gibt 23.567 Exemplare ab (minus 5,9 Prozent) und kommt noch auf 376.633 Stück. Henri Nannen, bei der heutigen RedakteurInnen-Generation unter Nazi-Verdacht, würde sich im Grabe umdrehen, wenn er wüsste, welch mediokre Gestalten inzwischen sein Blatt machen – oder besser: in den Ruin wirtschaften.

Ein Abschiedsgeschenk für den scheidenden Herausgeber Helmut Markwort serviert Focus. Durch eine starke Erhöhung des E-Paper-Verkaufs (so so!) schaffte das Magazin ein leichtes Plus von 0,5 Prozent (plus 1.194 Exemplare) und kommt auf 248.732 Exemplare. Man wird in Zukunft genau auf Manipulationen der Verlage bei den E-Papers achten müssen, denn erstaunlicherweise meldet auch das Handelsblatt einen Zuwachs um 0,5 Prozent (458 Stück). Die Auflage soll 88.659 Stück betragen. Man muss wissen, dass die Verlage bei der Auflagen genauso zu lügen versuchen wie bei Inhalten ihrer Produkte.

Neben den schon beschriebenen Verlusten für Bild fallen bei Springer weitere Verlustbringer an: DIE WELT verliert 7,0 Prozent (minus 6.889) und ist weit unter 100.000 gerutscht. Angegeben werden noch 91.665 Exemplare. Das wundert nicht weiter bei der Qualitätserosion in der WELT-Redaktion, deren Chefredakteur Ulf Poschardt sich mit seiner Gegnerschaft zu Donald Trump brüstet: „Wir müssen uns gegen Donald Trump wehren und besser, mutiger, fleißiger, innovativer, freier, offener, schwuler, multikultureller werden.“ Seriös recherchierte Berichte und fundierte Kommentare würden den Lesern reichen. Bei Poschardts Politpropaganda treten sie die Flucht an, wie auch die Zahlen der Welt am Sonntag zeigen: minus 23.128 (-8,9 Prozent) auf 236.935.

Im freien Fall sieht man die Bild am Sonntag. Springers rotes Sonntagsblatt gibt 101.867 Exemplare ab (minus 10,2 Prozent). Die verkaufte Auflage liegt noch bei 896.958. Bild am Sonntag wird nie wieder ein Millionenblatt. Wie schön.

In ähnlicher prozentualer Größenordnung wie die WELT schrumpft die Frankfurter Allgemeine (FAZ), was insofern bedauerlich ist, weil die FAZ die einzige deutsche Zeitung ist, in der sich noch oppositionelle Linien finden, auch wenn es weniger werden. Die FAZ verliert 15.639 Exemplare und kommt noch auf 214.850 Stück. Auch die regierungsnahe tageszeitung (taz) muss 3,9 Prozent Auflagenverlust melden (minus 1.815) und kommt noch auf 44.514 verkaufte Exemplare.

Die FAZ-Sonntagszeitung macht 7,7 Prozent minus (18.604) und verkauft noch 223.670 Stück. Das lohnt sich bald nicht mehr. Die von uns schon lange prognostizierten Auflagenverluste der ZEIT, des Blattes für die grünen gehobenen Beamtenstände, treten jetzt ein. 3,1 Prozent minus sind kein einmaliger Einbruch, sondern der Beginn einer langen Reise nach unten, wie sie andere Blätter schon länger erleben. 13.380 Exemplare hat die Truppe um Giovanni di Lorenzo verloren. Der Gesamtverkauf beträgt noch 416.296 Stück.

Aus der Reihe tanzt wieder einmal die rechte „Junge Freiheit“. Hier stiegen die Verkaufszahlen um 6,6 Prozent auf 23.083.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Qualitätsjournalismus abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s