Lügenpresse reloaded: Alle für Schulz und alle gegen Trump

Im Gleichschritt marschieren derzeit die deutschen Qualitätsmedien. Alle halten den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz für toll, und alle sind gegen den amerikanischen Präsidenten Donald Trump. So einen Gleichklang gab es zuletzt in der DDR-Presse vor dem Mauerfall.

So ist in den Badischen Neuesten Nachrichten aus Karlsruhe über Schulz zu lesen, „Sein ausgeprägtes Selbstbewusstsein und sein robuster Machtwille verbinden sich mit einer einprägsamen Botschaft: Mit ihm als Kanzler soll es gerechter zugehen, soll eine zunehmend auseinanderdriftende und auseinanderfallende Gesellschaft wieder zusammengeführt werden.“ Selbst die früher als CDU-nah geltenden Westfälischen Nachrichten aus Münster kriegen sich nicht mehr ein: „Martin Schulz poliert das sozialdemokratische Tafelsilber“. In der Neuen Osnabrücker Zeitung ist zu lesen: „Schulz wird wie ein Heilsbringer gefeiert. Sein unbedingter Machtwille steckt an, hoffentlich auch die Nöler und Hasenherzen.“

Dass im Wahlkampf weniger gekämpft, aber dafür viel zusamen gesungen werden könnte, ahnt die Hessische/Niedersächsische Allgemeine aus Kassel: „In allen wesentlichen Fragen sind sich Martin Schulz und Angela Merkel offenbar einig: In der Flüchtlingsfrage, in der Türkeipolitik, bei der Eurorettung, auch bei der gewaltigen Umverteilung, welche den Sozialstaat Deutschland nun einmal ausmacht.“ Dennoch ist der Kandidat toll, denn „gute Laune hat Schulz, immerhin“, lobt das Blatt.

Begeistert ist Der Neue Tag aus dem bayerischen Weiden über die Auftritte von Schulz: „Etwa 2003, als ihn der damalige italienische Regierungschef Berlusconi eine Filmrolle als KZ-Aufseher empfahl und Schulz die Ruhe bewahrte. Oder im März 2016, als er als Parlamentspräsident einen Abgeordneten der rechtsextremen griechischen Partei ‚Goldene Morgenröte‘ mit ruhiger Bestimmtheit des Saales verwies, weil der sich rassistisch über Türken geäußert hatte. Noch kälter als die Kanzlerin könnte es also das Personal der AfD erwischen. Denn der Kandidat Schulz hat sich gerade erst warm gelaufen“, jubelt Der Neue Tag. Und für Springers Zeitung DIE WELT ist Schulz schon der „Kanzlerkandidat der Herzen“. Wie peinlich.

Wenn es um Trump geht, wird die Lektüre deutscher Zeitungen noch peinlicher. Während die Blätter zu den Rechtsbrüchen von Kanzlerin Angela Merkel natürlich schweigen, werfen sie dem US-Präsidenten diese vor. Der Berliner Tagesspiegel schreibt: „Beim Dekret gegen die Einreise von Muslimen hat sich der US-Präsident über alle geltenden Hürden hinweggesetzt. Es ist nicht allein die unverhüllt diskriminierende Geste gegenüber allen Muslimen, sondern auch die umgehende Exekution der Einreisesperre, die bestürzt – weil auch Menschen mit erteiltem Visum oder gültiger Greencard getroffen werden.“

Schulz stachelt die Medien noch an, wenn er dem amerikanischen Präsidenten vorwirft, „mit der Abrissbirne durch unsere Grundwerteordnung“ zu laufen, als ob die massenhafte Einreise junger Männer aus Afrika oder Nahost etwas mit Grundwerten oder gar Ordnung zu tun hätte. Aber die Hassparolen von Schulz gegen Trump fallen in den Newsrooms der deutschen Lügenpresse auf fruchtbaren Boden. Die Hannoversche Allgemeine kommentiert: „Trump verstößt mit seinem Bann gegen die eigene Verfassung. Er spaltet die modernen Gesellschaften.“ Außerdem werfe er „Feuer in das Pulverfasslager dieser Welt“.

Die Rheinische Post wird historisch-grundsätzlich, bleibt aber zuverlässig auf Linie: „Die Vereinigten Staaten sind von Zuwanderern gegründet worden. Flüchtlinge machten die ‚Great Nation‘ erst groß. ‚Nation of Immigrants‘ hieß ein Buch von John F. Kennedy. Seit der Gründung vor mehr als 200 Jahren hat die Immigration die nationale Identität der Vereinigten Staaten gekennzeichnet. Jede Gruppe hat ihren Beitrag zu den intellektuellen, wissenschaftlichen, künstlerischen und kulturellen Errungenschaften geleistet. Trumps Kampagne gegen ausgewählte Staaten gefährdet dieses Weltbild.“ Dass viele der jetzt so bejubelten Migranten in Amerika die Indianer erst ausgeraubt, dann vertrieben und schlussendlich größtenteils ausgerottet haben, fällt Lügenpresse nicht auf. Bei diesen Schreiberlingen mit NRW-Abitur ist es auch kein Wunder, dass sie von der Weltgeschichte keine Ahnung haben.

„Trump führt sich auf wie ein Halbstarker, der glaubt, die Axt im Walde könne vernunftgeleitete Politik ersetzen“, kritisiert die Passauer Neue Presse und haut im gleichem Atemzug auf den bayerischen Ministerpräsidenten drauf: „Umso mehr muss man sich wundern, wenn ein Polit-Profi wie Horst Seehofer sich in Lobeshymnen über Trumps Temporausch ergeht.“ Dagegen wird dann erwartungsgemäß die Kanzlerin gelobt: Natürlich brauche man den von Seehofer geforderten guten Draht ins Weiße Haus: „Dass es dazu keiner Unterwerfungsgesten bedarf, hat die Kanzlerin in ihrem Telefonat mit Trump gezeigt“, schreibt die Passauer Neue Presse.

Die Volksstimme aus Magdeburg dichtet so schön, als wäre die Mauer nie gefallen: „Die USA sind demokratisch verfasst, eine Regentschaft ist weder an Parlament noch Justiz vorbei möglich. Es sei denn, man will eine Diktatur durchsetzen.“

Für die Süddeutsche Zeitung ist es kein Problem, schon jetzt die Präsidentschaft von Trump zu bilanzieren. „Nach einer Woche spricht bereits manches dafür, dass Trump es grundsätzlich nicht kann, das Präsidentsein.“

Nur wer in ausländische Blätter schaut, kann mit differenzierten Eindrücken rechnen und bekommt auch Interessantes über amerikanische Politik statt nur Hetze gegen der USA zu lesen. Das in Dänemark erscheinende Kristeligt Dagbladet meint, die USA seien schon längst kein offenes Einwanderungsland mehr:„Dass das Einreiseverbot an sich kein radikaler Bruch mit der angeblichen amerikanischen Offenheit gegenüber Fremden ist, zeigt die Bilanz der Amtszeit von Barack Obama. Ginge es nach dem Ex-Präsidenten, der in diesen Tagen den Heiligenstatus erhielt, würden die USA dieses Jahr 110.000 Flüchtlinge aufnehmen. Das entspräche einem Viertel der Menschen, die Dänemark 2016 aufgenommen hat – einem Jahr, in dem das Land von verschiedenen Seiten für Grenzkontrollen, das Schmuckgesetz und neue strengere Regelungen des Ausländerrechts beschimpft wurde. Um ein unverzerrtes Bild zu zeigen, muss man auch die Tatsache erwähnen, dass Barack Obama im Laufe seiner Amtszeit alle Rekorde gebrochen hat, was die Abschiebung von in den USA unerwünschten Menschen betrifft. … Trump wurde unter anderem gewählt, weil er angekündigt hat, drei Millionen Einwanderer abzuschieben. Er hat noch einen langen Weg vor sich, aber sein Debut macht deutlich, dass er es ernst meint.“

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