„Schulz-Effekt“ von langer Hand geplant

Eine der wichtigsten Leistungen guter Meinungsmanipulateure und spin-Doktoren ist es, einem Menschen ein völlig neues Image zu verpassen. Aktuell kann man das gut bei Martin Schulz beobachten: Dieser scheint Mitte Januar von irgendeinem Planeten mitten ins Berliner Regierungsviertel geplumpst zu sein. Seine fast 25jährige Vergangenheit als überzeugter Eurokrat, fleißiger Demokratie-Imitator und engagierter Verkäufer deutscher Interessen kommt in den aktuellen Lobhudeleien deutscher Medien praktisch kaum vor. Was dieser Mann am Stecken hat, war dieser Tage nur ganz kurz sichtbar, als der „Spiegel“ berichtete, dass Schulz seinen Presse-Flügelmann Markus Engels ebenso komfortabel wie für den Steuerzahler teuer im Büro des Europäischen Parlaments in Berlin geparkt hat, auf einer Art „Dauerdienstreise“ (natürlich verbunden mit tausenden von Euro „Reisekostenerstattung“).

Auffällig: Niemand fragte, warum Engels eigentlich ab dem 23. Januar 2012 quasi dauerhaft in Berlin postiert wurde. Schließlich war der SPD-Kommunikationsprofi erst Monate zuvor frisch aus dem Willy-Brandt-Haus gekommen, wo er schon drei Bundestagswahlkämpfe mitorganisiert hatte.

Nun, die Lösung ist einfach: Engels, der Presseprofi aus der SPD-Zentrale, war ab Januar 2012 de facto Martin Schulz‘ PR-Manager für den deutschen Markt. Der Steuerzahler durfte also bezahlen, dass Schulz auf seinem „Heimatmarkt“, auf dem Europaparlaments-Präsidenten gewöhnlicherweise keine Rolle spielen, zum wichtigen Player aufgeblasen wurde. Intensive Telefonate, Lunch mit einflussreichen Journalisten, Arrangement von Interviews, Redaktionsbesuche – all dies ist tägliches Handwerkszeug eines persönlichen Pressemanns – und eben nicht von Brüssel und Straßburg aus zu arrangieren, dafür braucht man einen Mann vor Ort. Etwa, um so einen liebedienerischen Text wie den des dpa-Schreibers Michael Wilde auf den Weg zu bringen, der die von heftigem Streit und Zerwürfnissen geprägte Amtszeit Schulz‘ in einem banalen Bilderbogen „Fünf denkwürdige Momente von Martin Schulz im Europaparlament“ (dpa, 16.1.2017) zusammenfasst, in dem im Wesentlichen Glanzleistungen des Würseleners „gegen Rechts“, jedoch kein einziger negativer Aspekt, aufgelistet werden. So und so ähnlich konnte der deutsche Bürger in den letzten Jahren Schulz mehrfach wöchentlich in deutschen Medien hören, lesen und sehen.

Über Monate hinweg wurde so die mediale Startrampe für Schulz gebaut – das Geld dafür kam aus dem Steuertopf, Baumeister war ein Ex-SPD-Manager, der im Sinne der SPD für einen SPD-Parlamentspräsidenten dessen Kanzlerkandidatur für die SPD vorbereitete. Schulz selbst verhehlte das in einem internen, vertraulichen Schreiben an die Parlamentsverwaltung, mit dem er den fragwürdigen Dauereinsatz einforderte, einst auch gar nicht: Er spricht ganz offen davon, dass Engels in Berlin „meine Aktivitäten in Deutschland unterstützen“ solle. Die Kanzlerkandidatur dürfte dazugehören. Und die Übertölpelung einer medienstrategisch vollends blinden Union ebenso.

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