Martin Schulz und die Mathematik

Dass SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz keinen Hochschulabschluss hat, kehrt er gerne als Qualitätsmerkmal heraus. Er sei „einer von uns“, heißt es dann über ihn. Und es stimmt ja auch irgendwie: Im Bundestag sitzen so viele Juristen und Volkswirte, ohne dass sie dem rechtswidrigen Handeln der Bundesregierung oder der Verschleuderung des Volksvermögens durch die Weichwährung Euro entgegengetreten wären. Ein Examen ist also in der Politik, um mit es mit einem Kanzlerin-Wort zu sagen, „nicht hilfreich“.

Muss man sich aber Sorgen um Schulz machen? Nach der Parlamentswahl in den Niederlanden erklärte der SPD-Kanzlerkandidat: „Das ist eine gute Nachricht für Europa und die Niederlande.“ Dabei war die Schwesterpartei von Schulz‘ SPD, die PvdA, von 24,8 Prozent der Stimmen bei der letzten Parlamentswahl auf 5,7 Prozent atomisiert worden. Die PvdA verlor 29 Mandaten, die Partei von Ministerpräsident Rutte acht Sitze. Ist das eine gute Nachricht?

Vielleicht muss man sich aber gar nicht Sorgen um die Mathematikkenntnisse des Kanzlerkandidaten machen. Mangelnde Mathe-Kenntnisse können zwar für einen Kanzlerkandidaten sehr gefährlich werden. Rudolf Scharping (SPD) verwechselte als Kanzlerkandidat Brutto und Netto, und damit war die Party vorbei.

Schulz ist aber vor dem Vorwurf, er könne nicht rechnen, in Schutz zu nehmen. Denn er hat deutsche Zeitungen gelesen und erfahren, dass Rutte „auch solche Niederländer wieder hinter sich versammeln konnte, die auf Abstand gegangen waren“ (Badische Zeitung). Oder die Rhein-Neckar-Zeitung, die „Was für ein Fest“ kommentierte.

Bestärkt in seiner Haltung dürfte ihn der Berliner Tagesspiegel haben. Wenn das Blatt schreibt, „wir haben nicht mehr viel Zeit, Europa zu retten“, geht das bei Schulz runter wie Butter. Denn er hält sich für den Mann, der nicht nur Deutschland, sondern ganz Europa retten wird. Der Tagesspiegel schreibt bereits ein kleines Regierungsprogramm: „Was wir jetzt brauchen, sind deutliche soziale Fortschritte, eine Säule sozialer Rechte, die verbindlich ist und wirklich trägt. Darüber hinaus braucht Europa ein starkes Investitionsprogramm, in Bildung, in Infrastruktur, in den Industriestandort und eine europäische Energiewende. Dazu gehört eine Politik, mit der dem Steuerdumping ein Ende gesetzt wird.“ Auch in die digitale Welt stieß Schulz per Handy vor und las auf seinem Handy bei Zeit online: „Europa lebt.“

Der Kanzlerkandidat hat aber seine Lektüre nicht auf deutsche Medien beschränkt, nein, er las auch ausländische Blätter, zum Beispiel das aus seiner Brüsseler Zeit vertraute „La Libre Belgique“, wo es hieß: „Unser Nachbarn haben … Nein gesagt zum Hass, Nein zu einfachen Antworten und zu einer Zukunft ohne Perspektiven. Solch eine Demokratielektion erwärmt einem das Herz.“

Eifrige Mitarbeiter reichten dem Kanzlerkandidaten auch die Berichte der Nachrichenagenturen. So war bei der staatsnahen Nachrichtenagentur adn dpa unter der Überschrift „Europa hofft wieder“ zu lesen: „Rechtspopulist Geert Wilders hat den Wahlsieg in den Niederlanden klar verpasst – und das macht den proeuropäischen Kräften Mut für die nächsten Wahlen.“ Und im deutschen Dienst von Reuters konnte Schulz lesen: „Niederlande-Wahl lässt Pro-EU-Herzen höher schlagen.“

Wir spiegeln gegen diese Fake News noch einmal das Resultat der Parlamentswahlen: Die Schwesterpartei von Schulz‘ SPD, die PvdA, wurde von 24,8 Prozent der Stimmen bei der letzten Parlamentswahl auf 5,7 Prozent atomisiert. Die PvdA verlor 29 Mandaten, die Partei von Ministerpräsident Rutte acht Sitze. Wilders‘ Partei PVV wurde erstmals zweitstärkste Kraft.

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