Sensation: Journalistin stellt kritische Frage

Im politisch-medialen Sumpf dieses Landes ist am Freitag etwas Sensationelles passiert: Eine deutsche Hauptstadtkorrespondentin namens Kristina Dunz hat einem Regierungschef eine kritische Frage gestellt. Beinahe trunken vor Glück wird die Journalistin in deutschen Medien gefeiert: „Sie waren eine Wucht! Danke für das Hochhalten dessen, was unser Beruf sein soll!“, freut sich die linke SPON-Schreiberin Silke Burmester, von „Courage“ schreibt der „Tagesspiegel“. Und der Vorgesetzte Sven Gößmann, Chef der bundesregierungsnahen dpa, lobt: „Dass sie auch unangenehme Fragen stellt, ist eine ihrer Qualitäten.“

Was hat denn Dunz da nur angestellt? Nun, sie hat offenbar zwei Sensationen in eine gepackt: Sie hat, erstens, bei der gemeinsamen Pressekonferenz von Merkel und Trump dem Präsidenten der USA eine brav den deutschen linke Mainstream bedienende, wenngleich zusammenhanglose Frage gestellt: „Warum macht Ihnen Pressevielfalt eigentlich so viel Angst, dass Sie ständig von Fake News sprechen, und dann selbst Dinge behaupten, die nicht belegt werden können?“

Und es war, zweitens, eine – Achtung, Trommelwirbel – richtig „kritische“ Frage!! Whow! Einfach so! „dpa-Journalistin stellt kritische Frage“ – die Branche ist tatsächlich außer sich, von Washington bis Berlin. Von stern.de wird sie ebenso prompt wie erregt interviewt: „Wie macht man so etwas denn, einen US-Präsidenten zu entlarven?“

Es ist aber auch eine faustdicke Sensation! Kritische Fragen an einen Regierungschef – wie cool ist das denn? Denn das sind wir hierzulande von unseren Staatsschreibern echt nicht gewohnt – und von Kristina Dunz schon gar nicht. Diese, explizit für die „Berichterstattung“ über das Bundeskanzleramt zuständige Merkel-Versteherin, gehört zu der kleinen, einflussreichen Phalanx der Nachrichtenverhinderer und GroKo-Schönschreibern, die sich in Berlin wie ein Filter zwischen Politik und Volk geschoben haben. Sie berichten nicht, sondern sie transportieren die „Narrative“ und „spins“ der Seiberts und Wirtzs brav und unhinterfragt in die Medien.

Dunz ist hier ganz besonders wirkmächtig: ihre dpa (mit Millionen staatlicher Gelder ko-finanziert) versorgt längst 90 Prozent der Online-Politik-Spalten quasi vollautomatisch. So lesen etwa Millionen am 15. Dezember 2015: „Plötzlich geht Merkel warmherzig und mutig voran in der Flüchtlingspolitik.“ So schreibt es Dunz so richtig knallhart, frech und kritisch und zitiert noch einen anonymen CDUler: „Die Pfarrerstochter aus der DDR habe sich schon immer für Menschen- und Freiheitsrechte eingesetzt.“ Ja, wie man das eben so machte als FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda…

„Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten sehen viele Politiker die Deutsche als Retterin, weil sie für Werte wie Freiheit, Demokratie und Respekt vor Andersdenkenden, -glaubenden und -liebenden steht“, lobhudelte unsere Lieblingsreporterin wenig zuvor. Und so ist Dunz‘ Frage an Trump ein Klassiker des links-grünen Hauptstadtjournalismus. Denn kritische Themen im deutsch-amerikanischen Verhältnis gäbe es ja genug: NATO, Freihandel, Abhörpraktiken, Türkei, Migration – leider nur haben alle eines gemeinsam: Sie sind nicht schön für Merkel. Man könnte, wollte man „kritisch“ sein, Trump sogar fragen, wie er sich als „Hassprediger“ (Frank-Walter Steinmeier) denn so fühle…

Nein, Dunz erledigt einen klassischen dpa-Hit-Job: die offensichtlichen Themen werden liegen gelassen – stattdessen wird das weltbewegende Pseudo-Thema „fake news“ hochgezogen, verbunden mit der Tatsachenbehauptung, dass der Präsident der USA keine „Pressevielfalt“ möge und de facto lüge.

Woran wir sind, erfahren wir bei Focus: Als Dunz dem Präsidenten ihre Fragen hinwirft, „muss Merkel grinsen“.

Mission accomplished.

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