Politisch korrektes Vademecum

Wertvolle Phrasen-Datenbank für korrekte mediale Berichterstattung und politische Betroffenheit nach Terroranschlägen wie zum Beispiel jüngst in London:

„Die Polizei spricht von einem Terrorakt“

Na, das sind ja vorwitzige Kerle. Einfach so, weil einer drei Menschen umbringt und 40 verletzt. Während also bei SPON und tagesschau.de noch überlegt wird, ob es nicht auch ein außer Rand und Band geratener McDonalds-Kindergeburtstag sein könnte, weiß die Polizei vor Ort mal wieder alles besser. Da gilt es, vorsichtig zu sein, um die Menschen nicht zu verunsichern.

„Ein Auto rast in die Menschenmenge“

Es gibt Phänomene, die sind unerklärlich: So wie schon vor drei Monaten, als in Berlin „ein Lastwagen“ Menschen tötete, nun das gleiche auch in London. Lasst uns also überlegen, was die Ursache sein könnte… Ist es ein wildgewordenes autonomes Google-Auto? Oder sollte es etwa doch etwas mit….? Nein, das wollen wir garnicht erst denken.

„Was wir wissen… und was nicht“

Das ist eine unserer Lieblingsübungen bei ZeitOnline und SPON. Denn eigentlich müssten diese Texte überschrieben werden mit „Was wir nicht wissen wollen“. Sie dienen dazu, ungerechtfertigte Beunruhigungen in der Bevölkerung zu verhindern, indem unangenehme Fragestellungen ausgeblendet werden. Insofern haben sie eine wertvolle Funktion.

„Die Lage ist unklar“

Dieser Hinweis, gerne auch bezogen auf „Motive“ und „Herkunft“ eines mutmaßlichen Täters, gilt es, nach einem Attentat so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Staunend soll sich die Öffentlichkeit fragen: Ja, wer war das denn nur? Warum hat er das nur getan? Da ist jede beliebige Antwort richtig – solange in ihr nicht das Wort Islam vorkommt. „Unklar“ hingegen muss bitte die Lage bleiben, was die Opfer betrifft: keine Namen, keine Biographien, keine Angehörigen-Zitate. Terroropfer dürfen nie konkret werden – dann muss man ihrer auch nicht öffentlich gedenken.

„Selbstradikalisierung“

Sollte die Lage dann leider doch mal klar werden, hilft ein ziemlich neues Phänomen: Mit dem Hinweis darauf, dass sich ein Terrorist „selbst radikalisiert“ habe, wird deutlich, dass selbst Menschen, die während ihres Messerns, Schießens und Bombens „Allahu Akhbar“ brüllen, dem ISIS-Treuevideos senden und Koransuren zitieren nichts, aber auch garnichts mit dem Islam zu tun haben. Irgendeine Verbindung besteht einfach nicht. Sie lesen ein Buch, mißverstehen es gründlich und machen dann dumme Sachen. Schluss, Ende, aus.

„Wir haben keine Angst“

Eine sehr wichtige, zentrale Aussage. Sie fällt komischerweise niemals von Betroffenen, Verstümmelten oder ihren Angehörigen – denn diese kommen in fast keinem Medienbericht vor. Nein, „keine Angst“ haben Hipster in Prenzlauer-Berg-Biotopen, Redakteure in Großraumbüros und Politiker in gepanzerten Limousinen. Und zwar zurecht. Denn ihr Risiko, etwa an einem Lobbyisten-Buffet zu ersticken, ist schließlich weitaus größer, als auf einem Weihnachtsmarkt ermordet zu werden.

„Fest und entschlossen an der Seite stehen“

Mit dieser Formel versichert die politische Klasse angeblich Solidarität. Aber es ist das feste, entschlossene Stehen am Grabesrand – unter präziser Vermeidung jeglicher Ursachen- und Motivforschung bezüglich des Mörders. Denn auch dieser hat nichts, aber auch garnichts mit ….

„Die ganze Härte des Rechtsstaates“

Diese Formulierung signalisiert eigentlich etwas Selbstverständliches – sind doch alle Menschen vor dem Gesetz gleich. Warum muss also betont werden, dass der Rechtsstaat hier voll greift? Etwa, weil auch denkbar wäre, dass er auch mal nicht voll greift? Beispielsweise bei linksextremen Landfriedensbrechern, minderjährigen Vergewaltigern oder unbegleiteten minderjährigen Schlägern mit 15 Identitäten? Variiert werden kann die Formulierung noch mit Sorgen über einen möglicherweise zu harten Polizeizugriff. Womit die Debatte da wäre, wo sie hingehört: Nämlich bei der schlimmen sozialen Lage und Repression

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2 Antworten zu Politisch korrektes Vademecum

  1. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    In der Tat ist es sinnvoller, die offenkundigen Manipulationsversuche in den Medien hellwach wahrzunehmen, als unverdrossen unbewiesene Vermutungen bzgl. „Bilderbergern“ oder einem „Komitee der 300“ aus Büchern des Kopp-Verlages abzuschreiben. Weiter bringt nur eine faktenbasierte Gegenwartsanalyse, welche nicht an der trivialen Oberfläche stehen bleibt. Fragen Sie sichdoch mal bei der nächsten Tagesschau, wer Ihnen wohl warum welche Sachverhalte so und nicht anders präsentiert?Wie oft ist von „Wir“ die Rede? Wer wird damit gemeint? Das konkrete Fernsehteam vor Ort? „Die Journalisten“ so im Allgemeinen? Oder sollen Sie sich mit eingeschlossen fühlen?Wer hätte davon welchen Vorteil?
    Die nächste Nachrichtensendung kann spannend sein…

    Untersuchen Sie Nachrichten aus öffentlichen, allgemein zugänglichen Quellen, verknüpfen Sie diese miteinander und haben Sie anschließend den Mut, die offenkundigen Schlußfolgerungen zu ziehen…

  2. Carlo Eventim schreibt:

    Das „framing“ der Lügenbolde toll erklärt. Danke!

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