Die europäische Tragödie

In Berlin läuft ein heiteres Spiel, nennen wir es die griechische Komödie. Das Publikum darf rätseln, wann einer der Stars, der Internationale Währungsfonds (IWF), die Bühne betritt – oder ob er schmollt. Man darf raten, ob die Griechen wieder mal arbeiten oder streiken oder dem Publikum eine lange Nase zeigen. Es darf zudem gerätselt werden, ob die Zahlen aus Athen etwas, stark oder sehr stark gefälscht sind. Die Regisseure, Kanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) sowie die Brüsseler Eurokraten, wissen ganz genau, dass der letzte Akt unweigerlich kommt und danach nicht nur der Vorhang fallen, sondern das ganze Gebäude Europa zusammenstürzen wird. Dann wird aus der Komödie eine Tragödie geworden sein: die europäische Tragödie.

In einem der letzten Akte tritt jetzt der neue deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) auf. Er stellte den unter der Knute der europäischen Gläubiger stöhnenden Griechen einen Persilschein aus: Die Diskussion über einen Ausstieg Griechenlands aus der Eurozone gehöre endgültig der Vergangenheit an, sagte er. „Europa wird nicht stärker, indem man sich amputiert.“ Damit ist klar: Es wird weiter Geld nach Athen geschickt werden, viel Geld sogar.

Die Neue Zürcher Zeitung hat die Lage schon am 15. Februar 2017 sehr anschaulich zusammengefasst, wie es deutsche Qualitätsmedien schon lange nicht mehr hinbekommen. Die verbreiten nur noch Durchhalteparolen wie „Völkischer Beobachter“ und „Neues Deutschland“ in den jeweiligen Endphasen. Die NZZ schreibt:

„„Hält man sich an die Fakten, gibt es nur zwei Optionen: Entweder befreit sich Griechenland aus dem Korsett des Euro, oder die Gläubiger gewähren einen substanziellen Schuldenschnitt. Von beidem wollen die Europäer aber nichts wissen. Der Terminkalender spricht für Athen. So stehen in den kommenden Monaten wichtige Wahlen in Frankreich und in Deutschland an. In keinem dieser Länder hat die Regierung ein Interesse an einer Eskalation der Krise, da dies den rechtsnationalen Kräften in die Hände spielen würde. Also wird man an überaus optimistischen Szenarien festhalten, Bereitschaft für kosmetische Schuldenerleichterungen zeigen und Athen noch vor dem Sommer, wenn milliardenschwere Schuldenrückzahlungen anstehen, eine nächste Kredittranche überweisen. Man kann dies Realpolitik nennen – oder Realitätsverweigerung.““

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