Rhein-Zeitung wirft bürgerlichen Chefredakteur raus

Und wieder hat es einen der wenigen noch amtierenden bürgerlichen Chefredakteure Deutschlands erwischt: Am Dienstag musste Christian Lindner, seit 2004 allseits geachteter Chefredakteur der „Rhein-Zeitung“ in Koblenz, seinen Hut nehmen. Rausgeworfen hat ihn sein branchenweit als nicht pflegeleicht bekannter Verleger Walterpeter Twer.

Lindner stand für einen bürgerlichen, liberalen Kurs. Die „Rhein-Zeitung“, mit knapp 190.000 täglichen Exemplaren eines der wichtigsten Medien im SPD-regierten Rheinland-Pfalz, leistete sich unter ihm immer wieder mal eine eigene Meinung. Etwa, als es um das allein von Genossen zu verantwortende Milliardengrab „Nürburgring“, peinliche Untersuchungsausschüsse oder Rechnungshofreports ging: Lindner hing offenbar der klassischen These an, dass Journalismus ALLE Seiten eines Themas zu beleuchten habe – und nicht nur die regierungsoffizielle. Gemocht haben die Becks und Dreyers in Mainz ihn dafür sicher nicht.

Ende vergangener Woche veröffentlichte Lindner einen bemerkenswerten Text. Darin rief er alle hierzulande wahlberechtigten Türken auf, beim Referendum mit „Nein“ zu stimmen. Der Text an die „türkischen Mitbürger“ ist an sich harmlos, ein originell geschriebener Aufruf zur Integration. Nach einem Lob auf die offene Gesellschaft und Demokratie Deutschlands endet er:

„Und wenn Sie trotz allem der Meinung sind, Deutschland sei unfrei, dann sage ich Ihnen ganz offen: Wir zwingen niemanden, bei uns zu leben. Ich meine das weder zynisch noch drohend. Ich möchte Sie damit nur ermuntern, sich selbst eine zentrale Frage zu beantworten: Wenn Ihnen Deutschland fremd geblieben ist und unfrei vorkommt, in welchem Land möchten Sie dann stattdessen leben? Ich bin mir sehr sicher, dass Ihnen sehr wenige Staaten einfallen werden, die Sie Deutschland vorziehen würden. Stattdessen werden Sie viele Länder nennen können, in denen Sie nicht leben wollen. Gut möglich, dass für Sie insgeheim selbst die Türkei zu dieser Negativliste gehört – so wie sie jetzt ist und erst recht so, wie sie bei einem mehrheitlichen Evet (Ja) zu Erdogans Machtwünschen ab 2019 wäre.

Bleiben Sie bei uns. Stimmen Sie mit Hayir.“

Ob da einigen Multikulti-Beauftragten und SPD-Ausländerverstehern wohl der Kragen geplatzt ist? Immerhin hat Lindner auf klare Weise das Problem der doppelten Staatsbürgerschaft und der gespaltenen Loyalitäten thematisiert – und so ein Medien-Tabu gebrochen.

Nun: Sein Chef, Verleger Walterpeter Twer, ist mit der Journalistin und Buchautorin Manuela Twer verheiratet. Diese ist eine geborene Lewentz, sie ist Schwester des rheinland-pfälzischen SPD-Landesvorsitzenden Roger Lewentz. Dieser hat fast sein gesamtes politisches Leben im Verbreitungsgebiet der „Rhein-Zeitung“ verbracht. Seit Mitte der 1980-er Jahre bastelte er an seiner Parteikarriere, war schon damals bei den Jusos dabei, als diese moskauhörig gegen NATO und Deutschland hetzten. Seit 2011 ist Lewentz, der auch Ver.di-Mitglied ist, Innenminister, seit 2012 Landeschef der SPD.

Hat also etwa Lewentz über sein Schwesterchen den Hebel angesetzt, um den ebenso unbequemen wie erfolgreichen Chefredakteur abzuschießen? Immerhin gelang Lindner etwas, was in der Branche nahezu einzigartig ist: Er hielt die Auflage seines Blatte in den letzten Jahren nahezu konstant (nur 5,6 Prozent Verlust in den letzten drei Jahren). Auf jeden Fall kann die SPD nun, wo er weg ist, endlich „durchregieren“. Nach der de-facto-Gleichschaltung von ZDF, SWR und Landespressekonferenz kann jetzt auch noch der traditionell rebellische Norden des Landes medial bereinigt werden. Wir dürfen gespannt sein, wer das Ruder in Koblenz übernehmen wird.

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5 Antworten zu Rhein-Zeitung wirft bürgerlichen Chefredakteur raus

  1. Alois Bruckmeier schreibt:

    Tja,,die ungeschminkte Wahrheit ist eben nicht jedermanns Pläsier!

  2. Christian Weigand schreibt:

    Twer als kongenialer Partner der SPD, verkappter Gutmensch und Erdogan-Freund, der eigentlich ganz lieb ist und sich nicht traut, öffentlich zu seiner Hippie-Kommunisten-Multikulti-Haltung zu stehen?!

  3. Joachim Langhard schreibt:

    Da könnte einen das große Grauen ereilen! Wo man hinschaut Klüngel und Fehlleistungen!
    Nun muss einer gehen , der die Dinge beim Namen genannt hat. In Mainz sitzen immer noch diejenigen, die Rheinland-Pfalz in die größte Verschuldung getrieben haben! Ganz zu schweigen von dem Desaster am Nürburgring und dem Verkauf des Hahns.
    Wenn man dann noch den Bericht des Landesrechnungshofes ließt wird einem übel!!

  4. Bell, Karl-Heinz schreibt:

    Das Partei-Geknüngel ist nun mal nicht aus der Welt zu schaffen. Jeder macht was Ihm in den Kram passt, wenn es auch undemokratisch ist. Wir sollten uns unter diesen Umständen überlegen das Abo bei der Rhein-Zeitung zu kündigen. Man kann im Internet wunderbar alle Zeitungen lesen, die einem gefallen und vor Allem noch politisch neutral sind.

  5. Friedmann Rosemarie schreibt:

    Sollte die RHEIN-ZEITUNG einen weiteren „Rutsch“ nach links zeigen: Ganz einfach, Abo kündigen.
    Es fällt schon seit längerem auf, dass die Regierung Fehler über Fehler machen kann,
    es wird alles verharmlost. Jetzt wird es dann noch merkwürdiger in den Artikeln zu lesen sein.

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