dpa und Spon lassen sich von der EU-Kommission bezahlen

Im deutschen Qualitätsjournalismus ist gerade zu erleben, wie die letzten Hemmungen fallen. Die staatsnahe Deutsche Presseagentur (dpa) und auch Spiegel online lassen sich von der Brüsseler EU-Kommission bezahlen. In einer am 5. April 2017 verbreiteten Jubelmeldung der dpa, die bereits heute gut von den Abonnement-Zahlungen der Bundesregierung, des Bundestages und vieler öffentlicher Stellen in Deutschland lebt, heißt es: „Das erste Mal in ihrer Geschichte arbeiten die Nachrichtenagenturen AFP, ANSA und dpa gemeinsam an einer Europa-Plattform mit frei zugänglichen Nachrichten. Offizieller Launch-Termin der Plattform mit dem Namen European Data News Hub (EDNH), die kostenfreie Inhalte zu EU-Themen für internationale Medien bereitstellt, ist im Juni 2017.
Schwerpunktmäßig bietet die Plattform daten-basierte Nachrichtenpakete, die aus Fotos, Videos, Audiobeiträgen, interaktiven Grafiken, Infografiken und Texten in fünf Sprachen bestehen. Diese sind Englisch, Deutsch, Französisch, Spanisch und Italienisch.“

Was die Plattform machen soll, wird klar beschrieben: „Ein Ziel des European Data News Hub ist es, die Bevölkerung über EU-Themen zu informieren, aber auch Diskussionen anzuregen über die Themen, die Menschen in Europa und weltweit bewegen. Dazu zählen z.B. Umweltschutz, Migration oder Arbeitslosigkeit.“

Dass dafür Geld benötigt wird, ist klar. Etwas kleinlaut wird zugegeben, für das Projekt Geld von der Brüsseler EU-Kommision zu kassieren: „Das Projekt erhält Fördermittel von der Europäischen Kommission, bleibt aber redaktionell unabhängig.“

Aha, das soll die Leute beschwichtigen, ist aber andererseits ein klarer Fall, dass die Verantwortlichen der staatsnahen Agentur ganz genau bemerkt haben, wohin die Reise geht – nämlich endgültig weg vom unabhängigen Journalismus, für den dpa einst stand. Endpunkt wird eine von fremden Interessen bestimmte Transportorganisation für Gefälligkeitstexte und Propaganda sein.

Dass der Einfluss der mit EU-Untersützung produzierten Texte, Fotos, Videos Audiobeiträgen und Grafiken viel größer sein wird, als wenn diese Produkte vielleicht mit Sponsorenhinweis auf einer Brüsseler Plattform veröffentlicht werden, macht der nächste Satz klar: „AFP, ANSA und DPA verbreiten die Inhalte auch über ihre Netzwerke, über die weltweit zahlreiche Zeitungen, TV- und Radiostationen, mobile Nutzer, Website-Betreiber und Datenbanken sowie Regierungen und internationale Institutionen erreicht werden.“

Das heißt: Was in Brüssel vermutlich in Kungelei enger Zusammenarbeit mit EU-Behörden an Nachrichten produziert wird, wird anschließend vermutlich unredigiert in den dpa-Basisdienst eingespeist und an die Kunden (Zeitungen, Radio, Fernsehen) verteilt, die das im Glauben, unabhängige Nachrichten erhalten zu haben, bringen. Damit kann die Kommission direkten Einfluss auf den größten und nach der dapd-Pleite monopolartig agierenden Nachrichtenverbreitungskanal in Deutschland nehmen und Themen in ihrem Sinne bestimmen. Wahrheiten über Griechenland- und Eurokrise, unfähige Bürokratie, Verschwendung, Korruption und mafiöse Strukuren in Brüssel dürften dann in dpa-Texten nicht mehr vorkommen oder hinter den Kulissen vom angeblich so schönen EU-Europa verschwinden.

Wie viel Geld aus Brüssel fließen wird, verschweigt uns dpa natürlich. Da könnten ja Fragen aufkommen. „Fördermittel“ hört sich nach 10.000 Euro an, so wie Brauchtumsvereine in mittelgroßen Städten von der Stadtverwaltung bekommen. In Wirklichkeit trägt die EU im Rahmen einer Co-Finanzierung die Hälfte der Kosten, was sie ganz treuherzig auf einer ihrer zahllosen Webseiten verbreitet.

Dort ist noch mehr zu finden: Auch „Spiegel online“ wird sich an einem EU-Projekt mit dem schönen Titel „European Data Journalism Network“ ab Oktober 2017 beteiligen. Mitmachen werden weitere Internetportale aus Italien, Frankreich, den Niederlanden, Belgien usw.

Zur Finanzierung schreibt die EU: „The projects will run until 2019. The total amount of EU co-financing is 1.95 million EUR, equally divided between both projects.“ Das heißt übersetzt: „Die Projekte werden bis 2019 laufen. Der Gesamtbetrag der EU-Kofinanzierung beträgt 1,95 Mio. Euro, gleichermaßen auf beide Projekte aufgeteilt.“

Glauben sollte man diesen Qualitätsjournalisten gar nichts mehr, auch wenn dpa auf ihre Statuten verweist, in denen es heißt, die Agentur berichte „unparteiisch und unabhängig von Weltanschauungsfragen, Wirtschafts- und Finanzgruppen oder Regierungen“.

Denn immer noch gilt ein viel älterer Satz: Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.

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Eine Antwort zu dpa und Spon lassen sich von der EU-Kommission bezahlen

  1. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    Ein Musterbeispiel faktenbasierter Gegenwartsanalyse. Eine frei zugängliche Information, welche interessante Schlußfolgerungen zuläßt: das (bislang doch z.B. via Soros „Project Syndicate“ eher informell bestehende) Medienkartell wird schrittweise organisiert, außerhalb dieser Plattform wird es wohl nur noch (strafbewehrte) „Fake“-News geben…

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