Lügenpresse reloaded: Der Auflagenverfall geht weiter

Für die deutsche Lücken- oder Lügenpresse begann das Jahr 2017 so, wie 2016 endete: Die Auflagen fallen in schnellem Tempo weiter. Wunderbar. Es sind drei Faktoren, die hier zusammentreffen:

1. Es gibt viel zu wenig junge Deutsche, die Zeitungen oder Zeitschriften noch lesen und für Auflagenstabilität sorgen könnten. Und die, die noch nicht so lange bei uns leben, können kein deutsch. Basta.

2. Deutschland ist ein merkwürdiges Land, dessen Bürger zu Tausenden auf die Straße gehen, um gegen die Opposition zu demonstrieren. Deutschlands Journalisten sehen ihre Hauptaufgabe darin, Artikel gegen die Opposition zu schreiben. Das gefällt immer weniger Leuten, die mit offenen Augen durchs Land ziehen, überall Verfall und Lethargie vorfinden und sich wundern, warum die Regierung nicht dafür von den Medien kritisiert wird.

3. Die Technik spielt eine wichtige Rolle. Mit Zeitungen und Zeitschriften verhält es sich wie mit der Postkutsche: Die letzte Kutsche war die beste, die jemals gebaut worden war. Aber die Technik war einfach am Ende. Im (tatsächlich noch gedruckten) Magazin der Frankfurter Börse war kürzlich ein Beitrag über den amerikanischen Serienkanal „Netflix“ zu lesen, wo man für eine Flatrate per Internet Serien und Filme empfangen kann. „Netflix“ entstand als Ein-Mann-Betrieb. Der Gründer hatte sich über Strafgebühren in seiner Videothek geärgert und kurzerhand einen Postversand für Filme aufgemacht, bei dem die Kunden die Filme so lange behalten konnten, wie sie wollten. Wenige Jahre später war Netflix größter Kunde der US-Post, heute hat das Internet-Angebot 100 Millionen Abonnenten weltweit. Zum Vergleich: Von allen deutschen Garagenfirmen (Startups) hat es nur der Schuhversand Zalando zu einer bemerkenswerten Größe gebracht, verdient hat die Holding von Zalando noch nichts.

Das Frankfurter Börse Magazin zitiert eine amerikanische Studie von „Business Insider“ über die Nutzung von Medien durch die Konsumenten in den USA zwischen 2011 und 2015. Während der Anteil des Fernsehens von 41 auf 35 Prozent schrumpfte, Radio von 14 auf zwölf Prozent verlor und Print von 6,6 auf 2,9 Prozent einbrach, konnten digitale Medieninhalte über das Internet ihren Anteil von 30 auf über 43 Prozent steigern. Je jünger die Nutzer, desto höher der Anteil der digitalen Nutzung. Business Insider kommt zu dem Schluss: „In den vergangenen 20 Jahren hat das Internet den Printbereich zerstört, in den kommenden 20 Jahren wird es das TV zerstören.“ Na hoffentlich haben die recht.

Unsere Freunde von der Lügenpresse haben was mit Zalando gemein: Sie werden auch bald nichts mehr verdienen. April ist immer der Monat, in dem die Auflagenzahlen des ersten Quartals eines Jahres von der unabhängigen Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern (ivw) festgestellt und veröffentlicht werden. Wir nennen nur die harten Auflagenzahlen Einzelverkauf und Abonnements, Vergleichswert ist das erste Quartal 2016. Einen ersten Einblick in die ivw-Daten nahm der Branchendienst meedia.de und stellte in einer „Blitz-Analyse“ erschrocken fest: „Kiosk-Zeitschriften verlieren 7,5 Prozent ihrer harten Auflage.“ An Tankstellen und Kiosken machte das Minus bis zu zehn Prozent aus, und wer mit offenen Augen durch das Land zieht, wird genug Tankstellen finden, in denen es keine Zeitungen mehr gibt.

Wenden wir uns den Flaggschiffen der Lügenpresse zu: Der Spiegel verliert erfreuliche 2,8 Prozent (16.482 Exemplare) und fällt auf 582.622 Stück. Der Stern verliert aber noch mehr (8,1 Prozent auf 370.617). Focus verliert angeblich nur 1,2 Prozent auf 235.096 und glich laut meedia.de Verluste durch den höheren Absatz von E-Papers, also von elektronischen Abos, aus. Dieses Phänomen begegnet uns auch beim Handelsblatt, einer in Empfangsräumen von Unternehmen vergammelnden Zeitung, die als Dekoration dient oder deren Abbestellung vergessen wurde. Es gibt Gerüchte, dass diese E-Paper-Zahlen von vielen Verlagen gefakt werden, was nicht weiter wundert: Wer bei den Inhalten fälscht, wird keine Hemmungen haben, auch die Auflagenzahlen zu manipulieren. Und irgendwie passt es zu dem ganzen Lügensystem, dass eine Kochrezeptezeitschrift mit dem Titel „Mein Zaubertopf“ der deutsche Auflagen-Shootingstar des Jahres 2017 ist.

Springers BILD-Zeitung wächst schon lange nicht mehr. Hier wird der Verfall dramatisch. BILD verliert 194.856 Exemplare (minus 10,7 Prozent)und hat noch 1,62 Millionen. Die Millionengrenze rückt näher und wird hoffentlich bis Jahresende 2017 erreicht werden. Die Prantl-Prawda „Süddeutsche“ macht 3,2 Prozent miese und hat nur noch 305.035. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung, die letzte deutsche Tageszeitung, die mitunter Oppositionsansichten wiedergibt, verliert 6,4 Prozent (noch 204.013 Stück). Die WELT hat nicht einmal mehr die Hälfte dieser Auflage (92.271 Stück – minus 2,8 Prozent). Das Handelsblatt verliert angeblich nur 518 Exemplare (minus 0,6 Prozent) und kommt dank E-Papers auf 88.824 Exemplare. Erfreulich runter geht es auch bei der regierungsnahen Berliner „Tageszeitung“, die 4,8 Prozent verliert und mit 43.905 Exemplaren schon nicht mehr lebensfähig ist.

Ein wahrer Grund zur Freude ist die Entwicklung der Wochenblätter: Bild am Sonntag verliert 10,9 Prozent (104.734) und hat noch 859.052 Stück. Die Welt am Sonntag fällt mit minus 10,1 Prozent ebenfalls in sich zusammen (noch 233.377 Exemplare). Der Sonntagsvertrieb ist sehr kostenintensiv. Das rechnet sich bald nicht mehr, Herr Döpfner. Wenn der nach den Samwer-Brüdern (Zalando) größte Hochstapler von Berlin zum Konkursrichter gehen muss, wären wir gerne dabei. Unser Finanztipp: Finger weg von Springer-Aktien!

Die Zeit, das Langweiler-Blatt für die gehobenen grünen Stände, hat endlich auch Fahrt auf der abschüssigen Bahn aufgenommen. Lange hat es gedauert, aber minus 2,7 Prozent (minus 11.401) sind schon recht ansehnlich. Die harte Auflage beträgt jetzt noch 413.126 Stück. Die FAZ-Sonntagszeitung wird mit einem Verlust von 4,5 Prozent (minus 9.912) bald in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sein. Bis dahin werden noch 211.373 Stück abgesetzt.

„Der Freitag“, das ideologiezerfressene Lügenprodukt von Jakob Augstein, will ein Plus von 18,4 Prozent erzielt haben, 3.285 Exemplare mehr verkauft und 21.108 Stück abgesetzt haben. Wenn da mal nicht Augstein junior durch die Lande fährt und sein Blatt an den Kiosken aufkauft, um endlich in die Nähe der Auflage der rechten Jungen Freiheit zu kommen. Das konservative Blatt aus Berlin steigert seine Auflage um 5,1 Prozent (plus 1.163) und kommt auf eine harte Auflage von 24.146 Stück.

Der Wahrheit eine Gasse!

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