Le Pen geschlagen – aber kein Problem gelöst

Die lettische Tageszeitung „Latvijas Avize“ zeichnet sich in ihrer Kommentierung zu den französischen Präsidentschaftswahlen am Montag, den 8. Mai, durch einen sehr erfreulichen Realismus aus:

„Zum neuen französischen Präsidenten mit 66 Prozent der Stimmen wurde Emmanuel Macron gewählt. Der Mann, über den die Massenmedien ironischerweise schrieben: Macrons einzige Qualität ist, dass er nicht Marine Le Pen ist. In ähnlicher Weise verkündeten die Medien wie auch Politikexperten, dass bei dieser Wahl in Frankreich die Zukunft Europas auf dem Spiel steht. Es wäre richtiger zu sagen – die Zukunft der Europäischen Union. Der ,alte Kontinent‘ wäre durch die Wahl Le Pens noch nicht zugrunde gegangen. Doch die Europäische Union als Organisation könnte Le Pens Politik kaum standhalten (…) Ist Europa gerettet? Ja – aber nur vorübergehend. Denn die Probleme, die zu dem Phänomen Le Pen geführt haben, sind noch nirgendwo hinverschwunden.“

Dagegen finden sich in der deutschen Lügen- oder Lückenpresse zumeist nur Peinlichkeiten, etwa in der Neuen Osnabrücker Zeitung, die angesichts des Wahlsiegs des pro-europäischen Macron unverhohlene Freude äußert: „Es lebe Frankreich! Es lebe Europa!“

Die werden sich nicht nur in Osnabrück noch wundern, wenn Macron mit Eurobonds um die Ecke kommt und die Deutschen für seinen Wahlsieg werden zahlen müssen. Nächste Woche kommt er schon nach Berlin und wird sich bei Kanzlerin Angela Merkel seine Siegprämie abholen.

Übrigens befasst sich die lettische Tageszeitung «Latvijas Avize» auch mit dem Ausgang der Landtagswahlen in Schleswig-Holstein, und über so viel Realismus hätte man sich auch in deutschen Zeitungen gefreut, wo zumeist nur über die AfD und ihr Abschneiden gegeifert wurde. Die Zeitung schreibt:

«Auch wenn die CDU von Bundeskanzlerin Angela Merkel 32 Prozent der Stimmen gewann und die SPD mit 27 Prozent hinter sich ließ, ist es in Wahrheit ein Pyrrhussieg. Der Einzug der Alternative für Deutschland (AfD) mit sechs Prozent ins Parlament zerstört die Pläne der Christdemokraten und der Sozialdemokraten. Weil beide Parteien die AfD meiden wie der Teufel das Weihwasser, aber andere mögliche Verbündete – die Grünen und die Liberalen – eine nicht ausreichend große Anzahl an Stimmen erhielten, verbleibt als einzig mögliche Regierungskoalition eine ,große Koalition‘. In der Realität bedeutet dies eine nicht sehr entschiedene, unkonkrete Politik.

Dagegen findet die deutsche Lücken- und Lügendpresse wie zum Beispiel die regierungsnahe taz nur einen Aspekt toll, das im Vergleich zu vorherigen Wahlen nicht besonders starke Abschneiden der AfD: „Die sechs Prozent vor ein paar Wochen im Saarland redete Alexander Gauland noch mit Sonderfaktoren wie Oskar Lafontaine schön. Davon kann keine Rede mehr sein. Die Partei ist eingelaufen wie ein zu heiß gewaschenes Hemd.“

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Blockparteien, Qualitätsjournalismus abgelegt und mit , , , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Le Pen geschlagen – aber kein Problem gelöst

  1. Reiner Wehpunkt schreibt:

    Die Mittelbayerische Zeitung aus Regensburg titelte gestern: „Frankreichs Wähler retten Europa“.
    Da werden sie sich in Ostbayern nicht mehr wundern, wenn Macron mit Eurobonds um die Ecke kommt, sondern demütig ihr Haupt senken und zahlen, zahlen und nochmals zahlen – schließlich wurden sie doch von den tapferen Franzosen vor der französischen Nazi-Schlampe gerettet.

    Diesen Griff in das Portemonnaie der Deutschen hat auch Außenminister Gabriel geschickt angekündigt, als er vorgestern in den RuhrNachrichten jubelte:
    „Emmanuel Macron steht für Europa, steht für Aufbruch, für Reformen. Er möchte Europa besser machen. Dieses Ziel teilen wir! Er wird aber auch Deutschland herausfordern. Die Wahl Macrons ist auch ein Auftrag an uns Deutsche“.

    Klarer kann man diesen Auftrag nicht formulieren: es ist des Deutschen Pflicht, nun endlich ‚ja‘ zur Transferunion zu sagen.
    Denn außer schönen Sprüchen hat Macron nichts zu bieten und schon gar nicht wird er Leistungskürzungen von seinen Landsleuten fordern, dafür braucht es das deutsche Geld – schließlich wollen die Franzosen weiter über ihre Verhältnisse leben und Macron selber möchte in 4 Jahren wiedergewählt werden.
    Vive la France!

  2. kdm schreibt:

    Auch ich möchte Europa besser machen !
    .
    …und würde die führenden EU-Wasserköpfe dafür am besten rollen sehen…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s