dpa, die AfD und der „Hexenhammer“

Dass die in zahllosen Medien verbreitete Meldung, wonach der baden-württembergische Landtagsabgeordnete Rainer Podeswa (AfD) im Plenum gefordert habe, zur Bekämpfung des Klimawandels (wahlweise: der Grünen) den mittelalterlichen „Hexenhammer“ und Hexenverbrennungen gefordert habe, ist längst als FakeNews des Monats entlarvt worden (die Profis von „Übermedien“ haben es hier erstklassig rekonstruiert). Der zwangsgebührenfinanzierte SWR, der gestern noch mit der gelogenen Schlagzeile „AfD-Abgeordneter empfiehlt Hexenhammer“ online hetzte, hat die Falschmeldung – wie manche andere Medien – einfach sang- und klanglos verschwinden lassen. In den Archiven des Wahrheitsministeriums müssen nun Sonderschichten gefahren werden, um das alles wieder glattzubügeln.

Die entscheidende Frage aber ist: Wie kam diese definitive, frei erfundene Falschmeldung eigentlich in die Welt?

Die Spur führt uns zu „Deutschen Presse-Agentur“, dpa. Deren Stuttgarter Landeskorrespondentin Julia Giertz schrieb am 11. Mai um 12.15 Uhr:

Stuttgart (dpa/lsw) – Für Befremden und Abscheu hat im Landtag eine Empfehlung des AfD-Abgeordneten Rainer Podeswa gesorgt, sich im Kampf gegen den Klimawandel am «Hexenhammer» zu orientieren. Dieses «europäische Standardwerk» fasse alle Methoden zusammen, mit denen im 15. Jahrhundert in Ravensburg die Klimakatastrophe bekämpft worden sei, sagte Podeswa am Donnerstag in Stuttgart. «Damals wurden Hunderte Frauen verbrannt und damit das Klima gerettet.» Seine Fraktion applaudierte ihm. Die ihm nachfolgende Grünen-Abgeordnete Martina Braun sagte dazu: «Das ist wirklich unglaublich.»

Diese Meldung steht in Nichts dem Handwerk nach, was früher im „Stürmer“ und der „Aktuellen Kamera“ vollbracht wurde: Moralische Überwölbung und Entrüstung, falscher Faktenkern, verkürzte Zitate und ein eskalierendes Empörungs-Zitat am Schluss. Gut 30 Minuten später wurde diese „Meldung“ erneut, diesmal bundesweit versandt. Es dauerte nun beinahe sieben Stunden, bis dpa um 18.52 Uhr eine Berichtigung sendete. Der Text wurde komplett umgeschrieben und die schöne Geschichte vom AfD-Mann, der den „Hexenhammer“ empfiehlt, fiel in sich zusammen wie ein Souflée. Kleinlaut schreibt dpa:

Der Leadsatz wurde neu gefasst und damit wird klargestellt, dass der AfD-Abgeordnete das Mittelalter-Buch nicht als Beispiel für die Klimapolitik empfiehlt.

Julia Giertz jedoch hatte da ihr Ziel schon längst erreicht: Ohne jede Faktengrundlage war ein politisch offenbar missliebiger Abgeordneter als „Hexenjäger“ öffentlich vernichtet worden. Sieben Stunden sind im Journalismus und besonders in der Online-Nachrichtenwelt eine halbe Ewigkeit. Und sie wurden bestmöglich genutzt.

Bemerkenswert ist ein weiteres Detail an diesem Vorgang: Die angeblichen Zitate, die dpa dem Abgeordneten in den Mund schob, waren für jeden Bürger (und Journalisten) frei zugänglich und nachprüfbar. Sie sollen nämlich in einer öffentlichen Landtagsdebatte gefallen sein. Frage: Wie groß müssen Dilettantismus, Obsession und Hass in der dpa eigentlich sein, dass solche massiven Fälschungen selbst bei öffentlich nachprüfbaren Quellen versucht werden?

Vielleicht wollen Bürger einfach mal die Autorin direkt fragen. Erreichbar ist sie unter giertz.julia@dpa.com. Natürlich höflich und zuvorkommend.

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2 Antworten zu dpa, die AfD und der „Hexenhammer“

  1. Pingback: NRW-Wahl: Sogar die Polizei warnt vor der AfD (Berliner Kurier auf msn.com) | Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen.

  2. Robert Meyer schreibt:

    Das Problem liegt nicht nur darin, dass eine offensichtlich geistig und sprachlich überforderte Pressetante vergisst, nachzufragen, was eigentlich gesagt wurde, sondern dass die gesamte Medienlandschaft ungestraft diesen Unsinn nachplappern darf. Nennt sich Agenturprivileg und bedeutet, dass eigene Recherche unterbleiben kann, wenn man seine Nachrichten von einer Agentur bezieht. Nachdem vor einiger Zeit die dpa von Nachrichtenagentur auf Propaganda gestülpt wurde, hat man mit der ein wunderbares Instrument zur Verbreitung und Multiplikation. Funktioniert wunderbar, Risiken gibts keine. Wenn sich jemand gegen die Berichterstattung wehrt, verweist man mit Unschuldsmiene auf die dpa, unterlässt ohne richtig zu stellen und sagt, man könne nichts dafür. Und keiner weiß, dass die dpa denen gehört, die sich auf derenUnabhängigkeit und Kompetenz berufen und jede Haftung ablehnen können.

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