NRW: Wenn Wähler verzweifeln

Wie verzweifelt müssen Wähler sein, dass sie sich zu Hunderttausenden einem Armin Laschet, einer Art Schoßhündchen von Angela Merkel, zuwenden? Der Wahlausgang in Nordrhein-Westfalen hat eine dramatische Wucht und wird uns noch lange beschäftigen. Für den politisch-medialen Komplex ist das Ergebnis schnell kommentiert: Es hat ein Erdbeben gegeben, und mit jammervollem Unterton wird vermerkt, dass Rot-Grün abgewählt worden sei. Als Trost gilt, dass die AfD nicht über zehn Prozent gekommen ist. Dass das Wahlergebnis etwas mit der Migrationswelle zu tun haben könnte, die Teile der nordrhein-westfälischen Großstädte zu No-Go-Areas gemacht hat, kam keinem Qualitätsjournalisten in den Sinn.

Dass so viele Wähler von den Parteien links von der CDU geflüchtet sind, kann aber nichts oder nur ganz wenig mit der Schulpolitik der Inklusion der Grünen-Politikerin Sylvia Lührmann zu tun haben. Es hat auch nur wenig mit der Wirtschaftspolitik von Garrelt Duin (SPD) zu tun und mit kaputten Brücken, Straßen und Eisenbahnlinien. Es war die Zuwanderung von Hunderttausenden jungen Männern, die in die Ballungsgebiete gezogen sind, also vor allem nach Nordrhein-Westfalen, und die seitdem zu Veränderungen in dem Land beitragen, die viele Leute ausdrücklich nicht wollen und vor denen Landesinnenminister Ralf Jäger (SPD) vom ersten Tag an die Augen fest verschlossen hat. Die Kölner Silvesternacht war nur eine Folge der Masseneinwanderung, wenn auch die sichtbarste.

Der linke Parteienblock aus SPD, Grünen, Linken und auch den Piraten hat bei der Landtagswahl bei gestiegener Wahlbeteiligung 17,2 Prozentpunkte abgegeben. Die Parteien rechts von R2G und Piraten, also CDU, FDP und AfD, haben 18,1 Prozentpunkte dazugewonnen. Das ist kein politisches Erdbeben, sondern eine tektonische Plattenverschiebung.

Wenn das Wahlergebnis jetzt Armin Laschet in die Düsseldorfer Staatskanzlei spült, wird bittere Enttäuschung die Folge sein. Er wird nichts anderes machen als die unbeliebte Hannelore Kraft. Laschet will mehr Zuwanderung, will mehr Bildungsreform mit Inklusion, er wird keine Rheinbrücken bauen und die Großstädte nicht sicherer machen. Wozu auch? Die politische Klasse lässt sich mit gepanzerten Dienstwagen durch NRW kutschieren. Die sind gut gefedert, und damit passiert einem selbst in Duisburg-Marxloh nichts.

Wenn die Leute das erkennen – und sie werden es natürlich erkennen, wird die tektonische Plattenverschiebung bei der Landtagswahl als kleiner Erdstoß in Erinnerung bleiben. Nach drei gewonnenen Landtagswahlen im Saarland, in Schleswig-Holstein und jetzt NRW mag sich Merkel sicher und Martin Schulz nur noch als Hofnarr fühlen, aber diese Ruhe ist trügerisch. Der politisch-mediale Komplex tanzt auf einem Vulkan.

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2 Antworten zu NRW: Wenn Wähler verzweifeln

  1. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    In der Tat ist sehr zweifelhaft, ob aus dem Wahlverhalten die richtigen Schlüsse gezogen werden. Das Medienkartell zeigt „St. Martin“ etwas kritischer und rückt nunmehr Frau Merkel als ihre eigene Nachfolgerin wieder stärker in den Vordergrund. Die „Alternativlosigkeit“ des deutschen Aufgehens im EU-Superstaat („Schulden-Union“) wird wohl medial erstmal bis auf weiteres unter den Tisch fallen, um nicht noch mehr Unmut zu provozieren. Mal sehen, was an medialen Strategien (nach Totschweigen und Dämonisierung) gegenüber der AfD jetzt angewandt wird.

    Das Parteienkartell agiert nicht mehr so einheitlich ausgerichtet auf offener Bühne (und zwar derart offensichtlich, dass es auch dem letztem Schlafmützchen auffällt), sondern erteilt dem offenen Auftreten als GroKo-Einheitsfront (zumindest in NRW) taktisch bedingt eine Absage. Offensichtlich verspricht man sich mehr, wenn der Regierung wieder eine loyale Opposition „gegenüber“ steht. Vermutlich bis Ende September etwas mehr folgenlose EU-Kritik, etwas mehr schwarz-rot-gold auf den Wahlplakaten, etwas mehr bedröppelte Selbstkritik vor den Kameras. Damit dann endlich am 24. September die vergrätzten Rückständigen, „die schon länger hier sind“, mit einem aufatmenden „Na,endlich sehen die es ein!“ ihr Kreuzchen beim Kartell-Modul ihrer Wahl machen.

    Die unkontrollierte und rechtswidrige Zuwanderung bleibt allerdings der sprichwörtliche Elephant im Zimmer, den zwar jeder sieht, aber niemand bemerken will…

  2. dentix07 schreibt:

    Die „neue“ Landesregierung unter Lasch-et wird genauso lasch wie Kraft kraftlos war!

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