Wenn Hippie State trauert

Wir haben unter der „Herrschaft des Unrechts“ (Horst Seehofer) von Angela Merkel, Sigmar Gabriel, Martin Schulz und anderen schon einiges erlebt. Aber wie dieser deutsche Staat um Helmut Kohl, seinen bedeutendsten Regierungschef seit Otto von Bismarck, trauert, ist nicht nur pietätlos, das ist Hippie State in seiner übelsten Ausprägung.

Man stelle sich für einen Moment vor, Frankreich wäre geteilt gewesen und ein französischer Helmut Kohl hätte die Teilung überwunden und das Land wiedervereinigt. Nach dessen Tod hätte es mindestens eine dreitägige Staatstrauer gegeben, einen würdevollen Staatsakt, ein Staatsbegräbnis. Später wäre ein Mausoleum an einem zentralen Ort errichtet worden.

In Hippie State stellt sich das so dar: Tagelang kursieren Zeitungs- und Fernsehberichte, die Witwe von Helmut Kohl wolle auf keinen Fall einen Staatsakt. Jean-Claude Juncker schaltet sich in einem nüchternen Moment ein und will einen europäischen Staatsakt in Straßburg, obwohl Europa kein Staat ist. Dazu wird sofort berichtet, dass Kohls Witwe ablehne, dass Kanzlerin Angela Merkel dort rede, nachdem es schon zuvor hieß, Kohl selbst habe keine Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier haben wollen.

Ergebnis dieses vom politisch-medialen Komplex inszenierten Trauerspiels war, dass zwischen den Tagesordnungspunkten sechs und sieben der Sitzungswoche des Deutschen Bundestages dessen Präsident Norbert Lammert (CDU) eine Ansprache hielt, der der amtierende Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dessen Vorgänger Joachim Gauck und Horst Köhler (wo war eigentlich Christian Wulff?) von einer Tribüne aus zuhörten. So „trauert“ Deutschland also um den Mann, der die Teilung des Vaterlandes überwand. Die Flaggen am Reichstag wurden nach Tagesordnungspunkt sechs auf Halbmast gesetzt und danach schnellstmöglich wieder hochgezogen. Dass sich an der Ostseite des Reichstagsgebäudes die Europafahne verhakte und erst einen Tag nach Lammerts Ansprache hochgezogen werden konnte, darf als Wink des Schicksals gelten. Von Staatstrauer gab es keine Spur; in Berlin wurde gesoffen und gefeiert wie immer.

Lammert selbst bemerkte wohl die missliche Lage, als er sagte, „dass Art und Ort der Würdigung einer herausragenden politischen Lebensleistung in und für Deutschland, bei allem Respekt, nicht nur eine Familienangelegenheit sind.“ Da hat der Präsident Recht, aber die Verantwortung für den beschämenden Umgang mit Helmut Kohl liegt nicht bei einer Familie, sondern bei Steinmeier und Merkel, die beide nach dem Tod des großen Mannes erbärmlich versagt haben, weil ihnen als empathielosen Handwerkern der Macht die Fähigkeit zum Trauern abhanden gekommen ist oder vermutlich bei ihnen nie vorhanden war.

Wer wie Präsident und Kanzlerin mit Vergangenheit und Tod nicht umgehen kann, kommt mit der Gegenwart nicht zurecht und wird in Zukunft scheitern. Bei den beiden genannten Figuren wäre das egal, aber das Schicksal des deutschen Volkes und des deutschen Staates steht auf dem Spiel.

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2 Antworten zu Wenn Hippie State trauert

  1. Boheme schreibt:

    Das bedeutendste an Herrn Kohl war, dass er sich so lange im Amt aufgehalten hatte, im wahrsten Sinne des Wortes.
    Sein ehrgeizigster Beitrag zur gesellschaftlichen und wirtschafts-politischen Lage war, dass er den sozialen Abbau voran getrieben hat: schrittweise Einschränkungen der Mitarbeiter-Rechte (sogen. Arbeitnehmer), die dann auch immer weiter ausgedehnt wurden (z.B. diese unsäglichen Minijobs, Zeitarbeit, befristete Verträge usw.), erneute Türkenschwemme als Gastarbeiter getarnt mit Sippen-Nachzug, Abbau von Sozialleistungen, den sozialen Wohnungsbau zurück fahren, Fördergelder für Kunst und Kultur kürzen und vieles mehr. Hier sind den Steuereintreibern hinter verschlossenen Türen ja unendlich viele kreative Möglichkeiten geboten.
    Dieselben opportunistischen Ideen hatten natürlich auch seine damaligen Kollegen Thatcher und Reagan, eh klar, entsprach dem Zeitgeist. Aber was die Wiedervereinigung betrifft, so ging der Anstoß zur Grenzöffnung eindeutig von der Bevölkerung in der ehemaligen DDR aus!
    Herr Kohl ist nur an den Zug aufgesprungen und wickelte das mit seinen DDR-Kollegen in Politiker-Manier ab: außen hui und innen pfui.

  2. Hat dies auf Des katholischen Kirchfahrters Archangelus unbotmäßige Ansichten – ob gelegen oder ungelegen. rebloggt und kommentierte:
    Die Fähigkeit, der Beisetzung eines herausragendem Regierungschef Gestalt und Form zu geben, ist zumindest ein Indikator für die innere Befindlichkeit eines Gemeinwesens. Mögen auch innerfamiliär eher peinliche Zustände wie in einer Vorabend-Soap herrschen, so ist doch die Bundesrepublik in der Pflicht, Helmut Kohl, der eben nicht nur Ehemann, Familienvater und Opa war, sondern der Kanzler der Vereinigung war, angemessen zu würdigen. Das dies anstandslos (im wahrsten Sinne des Wortes…) an das dubiose Nicht-Staats-Gebilde „EU“ abgetreten werden soll, spricht Bände. Offenkundig verdunstet selbst in den obersten Staatsorganen das Bewußtsein der Staatlichkeit rapide, gar nicht schnell genug kann man dort Deutschland im großen EU-Superstaat aufgehen sehen.
    Zumindest der geistige Zuschnitt der Handelnden in Berlin scheint bereits auf Landkreis-Niveau angekommen…

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