Der Fall Siemens: Ist Trump wirklich so doof?

Wenn in deutschen Qualitätsmedien die Rede auf Donald Trump kommt, dann ist der amerikanische Präsident bestenfalls sprunghaft, unberechenbar, beratungsresistent und hat die Finger an allen Abdruckknöpfen des reichhaltigen amerikanischen Militärarsenals. Schlimmstenfalls wird er als senil und blöd wie der letzte Bauerndepp dargestellt.

Erscheint dann eine (nur in Augen der deutschen und vielleicht noch der nordkoreanischen Systempresse) Lichtgestalt und Trump-Widersacherin wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Nähe des angeblichen Deppen aus dem Weißen Haus, dann blüht die Qualitätspresse auf. Nach einer Rede der Kanzlerin beim Weltwirtschaftsforum im schweizerischen Davos jubelte die Qualitätszeitung Die WELT: „Merkel überzeugt mit einer großen Europa-Rede“ und einer „Kampfansage gegen Trump“. Der steht bekanntlich aktuell in der Kritik, weil er Zölle für chinesische Solarmodule erhöht hat, die zu Dumpingpreisen geliefert werden. Die Solarmodule kommen auch zu Dumpingpreisen nach Deutschland und haben die Solarindustrie hierzulande restlos ruiniert, aber das zu begreifen, übersteigt offenbar die intellektuellen Fähigkeiten einer ehemaligen FDJ-Funktionärin für Agitation und Propaganda.

Merkel war es in den letzten vier Jahren ihrer Kanzlerschaft nicht gelungen, die deutschen Bedenken gegen das europäisch-amerikanische Freihandelsabkommen TTIP zu entkräften, das von Trumps Vorgänger Barack Obama nur zu gerne unterzeichnet worden wäre, aber an der Bundesregierung scheiterte. Die Kanzlerin legte in Davos ein Bekenntnis für den freien Handel und gegen Protektionismus ab. In Wirklichkeit lieferte sie mit ihrer Rede den Beweis für das Scheitern ihrer eigenen Freihandelspolitik, von der sie nicht einmal unser Außenamts-Dickerchen (Sigmar Gabriel war damals Wirtschaftsminister) und die SPD überzeugen konnte.

Trump warb in Davos für ausländische Investitionen und pries die Vorzüge seiner Steuerreform, die nach Angaben der deutschen Qualitätspresse nur die Reichen und internationalen Konzerne begünstigt. Vorstandsvorsitzende deutscher Konzerne lobten Trump für seine Steuerpolitik und mussten sich Hohn und Spott der Qualitätsmedien gefallen lassen. In einem von drei Autoren (Jakob Blume, Thomas Tuma und Torsten Riecke) erstellten Text schrieb das Handelsblatt von „inzenierten Lobhudeleien“, für die Trump schon immer eine Schwäche gehabt habe. Die für ihre Wirtschaftsfeindlichkeit bekannte Wirtschaftszeitung machte sich über das Verhalten der DAX-Konzernchefs Joe Kaeser (Siemens), Kaspar Rorsted (Adidas), Werner Baumann (Bayer), Heinrich Hiesinger (ThyssenKrupp), Bill McDermott (SAP) und von anderen Wirtschaftsgrößen lustig. Die CEOs hätten sich im Pathos gegenüber Trump gegenseitig zu übertrumpfen versucht.

Durch das Propaganda-Dauerfeuer konnte leicht überlesen werden, was quasi als Fußnote auch noch erwähnt wurde. So kündigte Kaeser angesichts der erfolgreichen Steuerpolitik von Trump an, eine neue Generation von Gasturbinen in USA zu entwickeln. Der Entwicklung dürfte dann aller Erfahrung nach auch eine Produktion in USA folgen.

Turbinen? War da nicht was? Richtig. Siemens entlässt in Deutschland 3.500 Mitarbeiter vor allem in Berlin und Görlitz, weil man hierzulande wegen Merkels Energiewende mit Dumping-Solarmodulen aus China keine großen Turbinen mehr verkaufen kann. Die von Arbeitslosigkeit bedrohten Arbeitnehmer demonstrieren jetzt vor Werkstoren. Qualitätsmedien und Gewerkschaften hetzen gegen Siemens, weil der Konzern Gewinne mache und trotzdem Arbeitnehmer entlasse. Soll Siemens denn Turbinen auf Halde produzieren? Wir haben uns hier und hier schon dem Thema gewidmet. Die Arbeitnehmer hätten vor dem Kanzleramt demonstrieren sollen. Es sind Merkels Arbeitslose. Neue Arbeitsplätze entstehen hingegen – bei Trump. So viel zu den Darstellungen der deutschen Qualitätsmedien, die Steuerreform begünstige „die Reichen“.

Und es werden noch mehr Werksschließungen in Deutschland erfolgen. Bayer-Chef Werner Baumann sicherte Investitionen in Höhe von 16 Milliarden Euro im Saatgutbereich zu (Bayer übernimmt den amerikanischen Glyphosat-Hersteller Monsanto). Es dürften noch höhere Investitionen werden, wenn man weiß, dass Bayer seit über 20 Jahren eine Kohlenmonoxid-Leitung zwischen dem Stammsitz Leverkusen und Dormagen nicht bauen darf. Kohlenmonoxid hört sich für GrünInnen an wie Kohlendioxid und ist deshalb mindestens so böse wie Glyphosat. Bayer-Lkw müssen bis kurz vor Düsseldorf fahren, um über den Rhein zu kommen, weil die Leverkusener Rheinbrücke baufällig ist. Na gut, sie könnten es auch über eine andere Rheinbrücke in Köln versuchen, aber da stehen sie möglicherweise stundenlang im Stau.

Dem Handelsblatt fiel noch naserümpfend auf, die deutschen Wirtschaftsführer hätten sich Autogramme von Trump geben lassen. Von Merkel wollte niemand Autogramme. Da sind wir ganz sicher.

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