Merkels Karren-Klon

FDP-Chef Christian Lindner hat zu Annegret Kramp-Karrenbauer alles Notwendige gesagt: “Neben der großen Merkel gibt es jetzt im Konrad-Adenauer-Haus noch die kleine Merkel, die exakt dasselbe vertritt.“ In der Tat ist es müßig, über die Motive der bisherigen saarländischen Ministerpräsidentin zu rätseln, die nun die Leitung der Berliner CDU-Zentrale übernehmen und somit Angela Merkels rechte Hand werden soll. Kramp-Karrenbauer ist nichts anderes als ein typischer CDU-Klon, wie er in der Partei tausendfach zu finden ist: Irgendwas mit Politik oder Soziologie studiert, Berufslaufbahn als Assistent bei einem Politiker begonnen (in diesem Fall bei Peter Müller) und später in dessen Fußstapfen getreten. Wie den Klonkriegern aus der Star-Wars-Serie ist es diesen Typen völlig egal, auf welchem Posten sie stehen. Sie kämpfen überall für das System. Was alle diese Klon-Typen (egal welches Geschlecht) vereint, ist ihre Unkenntnis von der Realität in Deutschland und ihre Lebensfremdheit. Von Wirtschafts- und Arbeitswelt verstehen sie nichts. Und deshalb werden sie scheitern. Und deshalb wird die CDU untergehen.

Die Systemredakteure jubelten über die Berufung von Ktamp-Karrenbauer wie ihre Vorfahren (und oft genug auch Ausbilder) in den DDR-Reaktionsstuben über die Wahl eines Genossen ins Politbüro: „Mit einer überraschenden Personalentscheidung hat CDU-Chefin Angela Merkel den ersten Schritt auf dem Weg der Erneuerung ihrer Partei unternommen“, schrieb Robert Rossmann in der Prantl-Prawda Süddeutsche Zeitung. DDR-stilsicher fährt Rossmann fort: „Was ist Angela Merkel nicht alles vorgeworfen worden. Sie nehme ihre Partei nicht mehr ernst; sie verpasse es, einen Nachfolger aufzubauen – und sie schaffe es nach 18 Jahren an der Spitze nicht mehr, ihre Partei auch mal positiv zu überraschen. Und jetzt das: Mit einem Coup ist es Merkel gelungen, einen Gutteil dieser Vorwürfe zu entkräften. Der 19. Februar könnte als der Tag ins CDU-Geschichtsbuch eingehen, an dem die Partei den Übergang von der Ära Merkel in die Zukunft eingeleitet hat.“ Sussanne Höll ergänzte in dem Blatt: „Sie wirkt höchst unprätentiös und ist mit einem überraschenden Hang zum politischen Vabanque-Spiel in Dingen ausgestattet, die ihr wichtig sind.“

„Merkels Drehbuch für die Erneuerung der CDU“, titelte das Handelsblatt. Robert Birnbaum kann im Tagesspiegel kaum noch an sich halten: „So gelöst hat man Merkel schon lange nicht gesehen. Ihr Coup ist gelungen. Annegret Kramp-Karrenbauer wird als Generalin aus dem Saarland nach Berlin wechseln.“ Berthold Kohler hat in der FAZ das Wesen des CDU-Klons nicht verstanden, wenn er schreibt, „dass eine amtierende, politisch erfolgreiche Ministerpräsidentin ihr Staats- und Wahlamt aufgibt, um in eine zwar wichtige, aber doch nicht die höchste Parteifunktion einzutreten, aus eigenem Antrieb, wie sie sagt“. Das gilt auch für Robin Alexander in der WELT, für den der Wechsel von „AKK“ eine „echte Überraschung“ ist. Die regierungsnahe taz ist natürlich auch von Merkels „klugem Spielzug“ angetan. Eine „wirkliche Bereitschaft zum Dienst an der Partei“, lautet der peinliche Kommentar der Berliner Morgenpost.

Eine Hymne liefert Daniela Vates in der „Frankfurter Rundschau“ ab: „Jetzt ist sie da, die Merkel-Nachfolgerin.“ Nur noch peinlich ist Stephan-Andreas Casdorff im Tagesspiegel-Leitartikel: „Im Grunde, so muss man sagen, ist AKK perfekt vorbereitet und ausgebildet für alle Ämter, auch die, die da noch kommen mögen.“ Auf den Kommentar der Leipziger Volkszeitung wäre nicht einmal die CDU-PR-Agentur gekommen. Halten Sie sich fest, liebe Leser, was jetzt von einem Qualitätsschreiberling namens Matthias Koch kommt: „Nie zuvor lotste Merkel, die schon sechs Generalsekretäre gesehen hat, eine Figur von solchem Kaliber ins Adenauer-Haus: eine Ministerpräsidentin, Mitte fünfzig, messerscharf in ihren Analysen, Sympathieträgerin quer durch die Bundespartei.“

Eine nüchterne Analyse findet sich allenfalls in einer ausländischen Pressestimme, in der Neuen Zürcher Zeitung: “ Bei Themen wie Abtreibung oder Homo-Ehe hat Kramp-Karrenbauer einen konservativen Standpunkt. Auch in der Asylfrage waren von ihr schärfere Töne zu vernehmen. Grundsätzlich trägt sie die Linksverschiebung der CDU aber mit. AKK passt mit ihrem sachlichen Auftreten gut zu Merkels pragmatischem Politikstil, der keiner bestimmten Weltanschauung folgt.“

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2 Antworten zu Merkels Karren-Klon

  1. Signifikant ist, dass die jetzige Generation der in der Politik Tätigen von dieser lebt, während die vorherigen Generationen für diese lebten, also Politiker waren, um das Gemeinwesen nach ihren Vorstellungen zu prägen. Frau Merkel ist die Blaupause der überzeugungslosen Pragmatikerin, die schlichtweg in jeder Partei Mitglied sein könnte, da sie keinerlei sichtbare Überzeugungen hat und primär vom unpolitischen Karrieredenken getrieben wird. Nachdem mittlerweile stark nach links verschobenen „Mitte“-Vorstellungen mag man Frau Kramp-Karrenbauer mit ihren – bei Wikipedia mühelos nachlesbaren – Forderungen wie etwa Einführung einer Frauenquote oder ihre Unterstützung der Flüchtlingspolitik durchaus für eine bürgerliche Politikerin „der Mitte“ halten. Nur, dass halt diese „Mitte“ mittlerweile das Gedankengut des linksliberalen FDP-Flügels der Generation Baum/Hamm-Brücher repräsentiert, daher haben auch ihre Koalitionen mit Grünen und SPD im Saarland bestens geklappt.

    Da die Sonne tief steht (für die Demokratie bricht die Abenddämmerung an) werfen allerdings auch Zwerge lange Schatten, angesichts der sog. „Konkurrenz“ geschmeidiger Weinköniginnen und gescheiterter Jurastudentinnen hat Frau Kramp-Karrenbauer somit die Nase vorn.

  2. El Gordo schreibt:

    Lieber Archangelus, wie Sie selbst andeuten sind Merkel und ihre Komplizen nicht ganz so überzeugungslos und opportunistisch wie manche glauben. Sie fallen immer nach links um, grenzen sich immer nur nach nicht-links ab. Der Grund ist klar. Links steht für Staatsallmacht und Entwurzelung der Gesellschaft. Für einen durchschnittlichen Politiker, der auch nichts anderes kennt und kann, ist das quasi ein Sechser im Lotto. Für eine Politikerin, die in der DDR erfolgreich sozialisiert wurde, erst recht.

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