Manipulativ arrangierte Angst-Prosa der Adenauer-Stiftung

Die CDU-nahe „Konrad-Adenauer-Stiftung“ (KAS) hat es dieser Tage in viele Schlagzeilen geschafft. Dies gelang ihr mit der These „Die Mehrheit der Bevölkerung ist positiv gestimmt. Unter den Wählern von CDU/CSU und FDP finden sich die meisten Optimisten, unter denen der AfD dagegen die meisten Pessimisten.“ Daraus wurde dann in den meisten Medien „AfD-Anhänger haben Angst vor der Zukunft“ (etwa hier, hier oder hier).

Kaum erstaunlich ist, dass offenbar kein Journalist, der über die KAS-„Studie“ schrieb, diese selbst einmal präzise gelesen hat. Denn sonst wäre ihm aufgefallen, dass das Papier an entscheidenden Stellen bestenfalls manipulativ arrangierte Prosa, keineswegs aber wissenschaftlich basierte Meinungsforschung abbildet.

Kern der Umfrage (die zwischen November 2017 und Februar 2018 durchgeführt wurde) sind drei Erhebungen mit mehreren tausend Befragten. Diesen wurden drei gegensätzliche Aussage-Paare vorgelegt – für eine Variante mussten sie sich jeweils entscheiden. In dem ersten Paar („Wenn das so weitergeht, sehe ich schwarz für Deutschland“ versus „Ich vertraue darauf, dass Deutschland künftige Herausforderungen bewältigt“) stimmten 33 Prozent der Befragten für Variante eins, 63 für die zweite. Das Bemerkenswerte daran: Hier wurden keineswegs zwei Alternativen abgefragt. Die „optimistische“ Variante hätte beispielsweise lauten können: „Wenn das so weitergeht, wird es besser für Deutschland.“ Dies aber wurde nicht zur Auswahl gestellt, sondern eine eher plakative Aussage gegen eine dynamisch-konkrete, eine, in der Deutschland passiv genannt wird gegen eine, in der Deutschland aktiv handelnd auftritt. Trotz dieser manipulativen „Alternative“ neigt ein Drittel der Deutschen der skeptischeren Aussage zu (und 83 Prozent der „AfD-Anhänger“).

Ein zweites Aussagen-Paar fragt folgende „Alternativen“ ab: „Man weiß ja nicht, was die Zukunft bringt, aber ich habe häufig Angst vor dem, was kommen wird“ versus „Man weiß ja nicht, was die Zukunft bringt, aber ich glaube, dass alles gut wird.“ Auch hier werden nicht etwa gegensätzliche Begriffe abgefragt (wie etwa Angst vs. Zuversicht), sondern zum einen das Negativ-Wort „Angst“ mit der zeitlichen Aussage „häufig“ verknüpft, während andererseits ohne zeitlichen Bezug das „alles gut“ als Signalwort gesetzt wird. Gleichwohl stimmen 34 Prozent der Bürger Variante eins zu, 62 Prozent der zweiten (59 zu 37 der AfD-Anhänger, also ein durchaus vielschichtiges Bild).

Vollends skurril allerdings wird es, wenn man das dritte abgefragte Aussagenpaar betrachtet. Es lautet: „Wenn es nach mir geht, soll sich so wenig wie möglich verändern“ vs. „Wir müssen uns weiterentwickeln, sonst büßen wir den Wohlstand ein“. Dabei werteten die Befrager Variante 1 als „pessimistisch“, Variante zwei als optimistisch. 13 Prozent der Deutschen stimmen der ersten Aussage, 82 Prozent der zweiten zu. Und unter den AfD-Anhängern? Nur fünf Prozent stimmen der pessimistischen Variante zu, 91 Prozent der optimistischen – der höchste Wert der Anhänger aller Parteien! Also halten wir fest: in einer von drei abgefragten Stimmungskategorien sind die AfD-Anhänger sogar die mit Abstand optimistischsten. Leider liest man davon nichts. Und auch die Zusammenschau dieser drei „Befragungen“ kann demnach kaum den von der KAS erzeugten Tenor belegen, wonach AfD-Anhänger wie angstbesessene Tropfe durchs Leben schlottern.

Aber es kommt noch besser. Denn beim Arrangement der Umfrage ist der KAS ein kleiner, aber entlarvender Fehler unterlaufen. Denn alle drei gestellten Frage-Paare waren mit dem Zusatz versehen, „in welchem Maße“ man der einen oder anderen Aussage zustimme. Das heißt: die KAS hat eine Zustimmungsskala erstellen lassen, die mindestens fünf Stufen umfasst, wahrscheinlich sogar mehr. Darauf ist zu erkennen, wie stark jeweils die Antwortenden der gewählten Variante zuneigen.

Leider ist davon auf den 17 Seiten nichts zu lesen – stattdessen werden nur die Summen der jeweiligen Zustimmung veröffentlicht. Wie stark oder schwach jedoch die Befragten die eine oder andere Variante befürworten, erfährt der Leser nicht.

Ob sonst das gewünschte Bild ins Wanken geraten wäre?

Ein zweiter Teil des Papiers ist noch weniger geeignet, die These von den AfD-Pessimisten nachhaltig zu stützen. Hier wurden alle Befragten wie gezielt jeweilige Parteianhänger gefragt: „Gibt es eine Partei oder mehrere Parteien, die das jeweilige Gefühl bei Ihnen auslöst? Wie ist das mit …?“ Die Befragten äußerten also, was eine bestimmte Partei bei ihnen auslöst – es war also keineswegs eine Frage nach der eigenen Stimmung, Haltung oder Zukunftssicht. Dementsprechend fasst die Studie auch am Ende zusammen:

„Ein eher ungewöhnliches Bild zeigt sich hingegen bei der AfD. Zwar verbinden die Anhänger auch mit der AfD eher positive Emotionen, aber die Gesamtbevölkerung hat ein dezidiert negatives Bild und fühlt sich im Zusammenhang mit der AfD vor allem ängstlich, wütend, unbehaglich und empört. Damit hat die AfD unter allen im Bundestag vertretenen Parteien eindeutig ein Alleinstellungsmerkmal.“

Woran das wohl liegen mag?

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