Wie dpa in Merkels Sinne manipuliert

Seit dem Berliner „Asylkompromiss“ zwischen CDU und CSU, der in Wirklichkeit keiner ist, kann man im politisch-medialen Komplex ein strenges Seehofer-Bashing beobachten. Gewiss, auch wir sind keine Freunde des früheren bayerischen Ministerpräsidenten und amtierenden CSU-Vorsitzenden und Bundesinnenministers Horst Seehofer. Der Mann ist ein Taugenichts, ein Opportunist, der jedem nach dem Munde redet, und er ist alles andere als ein Vorbild. Kurz gesagt: Seehofer ist ein Hallodri.

Aber was inzwischen mit Seehofer in der deutschen Qualitätspresse veranstaltet wird, hat Methode. Merkel-nahe Einflüsterer und Claqueure haben eine Kampagne inszeniert, die in einem langen Bericht der staatsnahen Monopol-Nachrichtenagentur adn dpa vom 20. Juli 2018 ihren Höhepunkt findet. Lange dpa-Berichte mit z.B. sieben Absätzen heißen für deutsche Nachrichtenredaktionen: Das Thema ist wichtig und muss an vorderer Stelle verarbeitet werden. dpa titelt spektakulär: „CSU-Politiker gehen auf Distanz zu Seehofer “

Dann heißt es:

„CSU-Chef Horst Seehofer gerät wegen seiner Linie in der Asylpolitik auch parteiintern zunehmend in die Kritik. Der CSU-Politiker Stephan Bloch warf dem Bundesinnenminister in der „Rheinischen Post“ (Freitag) vor, mit Ideologie statt mit Inhalten Politik zu machen. „Wir brauchen keinen Masterplan für die Asylpolitik, sondern einen Masterplan für die Zukunft.“ Bloch hatte vor kurzem die CDU/CSU-Plattform Union der Mitte gegründet. Sein Mitstreiter und Parteifreund Josef Göppel kritisierte: „Im Streit um Asyl sind Parolen der AfD übernommen worden und in der Wortwahl wurde der bürgerliche Anstand verlassen.“

Auch der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, warf der CSU eine einseitige Haltung in der Flüchtlingspolitik vor. „In den letzten Monaten hat man aus der CSU im Hinblick auf die Flüchtlingspolitik immer nur davon gehört, wie man Flüchtlinge von uns fernhalten kann“, sagte Bedford-Strohm, der auch bayerischer Landesbischof ist, der Tageszeitung „Die Welt“ (Freitag). Auch innerhalb der CSU, so Bedford-Strohm, sei „insbesondere aus kirchlich engagierten Kreisen zu Recht beklagt worden, dass in den vergangenen Monaten der Grundton in der öffentlichen Debatte verändert wurde, um Wähler der AfD zurückzugewinnen“. Dies aber habe sich für die CSU nicht nur als erfolglos erwiesen, „sondern war auch inhaltlich unangemessen“… Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, der Münchner Erzbischof und Kardinal Reinhard Marx, hatte die Wortwahl der CSU in der Flüchtlingspolitik schon vor wenigen Tagen als «höchst unangemessen» kritisiert.

Der Eindruck, der hier erweckt werde soll, lautet: Es gibt breiten Widerstand gegen Seehofer. Jetzt schauen wir uns die den Widerstand tragenden Akteure an. Bloch hat weder Mandat noch bedeutendes Parteiamt. Er lässt sich im Zuge des Seehofer-Bashings von der Qualitätspresse nach oben tragen und hat die Facebook-Seite „Union der Mitte“ inszeniert – ein „Bündnis gegen rechts in der Union“, freute sich der Deutschlandfunk. Und focus.de nannte die Mitte-Union, ein „Stoppzeichen für alle, die’s gerne rechter hätten“. Spiegel online formulierte martialisch: „Jetzt feuern die Merkel-Anhänger zurück.“

Viel Feuerkraft ist da übrigens nicht. Bei facebook hat die Gruppierung 2.500 „Likes“. Zum Vergleich: Der AfD-Kreisverband Euskirchen kommt auf 3.800 „Likes“, bekommt aber keine Überschriften im Deutschlandfunk, bei Spiegel oder Focus. Prominente Mitstreiter gibt’s bei der Union der Mitte auch keine. Der in dem Bericht noch erwähnte Joseph Göppel ist ein ausrangierter früherer CSU-Bundestagsabgeordneter, der selbst zu seinen Mandatszeiten nicht über die letzte Reihe im Plenarsaal hinauskam. Irgendwann wurde er nicht mehr wiedergewählt, und selbst das fiel niemandem auf.

Und wenn dpa schon Kirchenvertreter bemühen muss, die zu feige sind, das Kreuz in der Öffentlichkeit zu tragen (Tempelberg), zeigt das, was von dieser Art Berichten zu halten ist: Hier werden Schein-Nachrichten kreiert, besser bekannt unter dem Begriff Fake News.

Und warum das dpa-Stück ausgerechnet am 20. Juli um 9.22 Uhr? Die Antwort ist einfach: Morgens wird der Merkel-kritische Seehofer niedergemacht, und am Mittag kann sich die Kanzlerin im Glanz der Journaille sonnen, wenn sie ihren jährlichen Auftritt in der Berliner Bundespressekonferenz gibt. Zu erwartender Tenor abends in den Medien: Merkel auf Kurs, Seehofer unter Druck.

Ein erbärmliches Spiel, aber perfekt inszentiert.

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