Wie gelogen wird: Bundestag lässt Asylkosten weg

Dass Lügen durch Weglassen wesentlicher Sachverhalte im deutschen Qualitätsjournalismus inzwischen Standard ist, hatten wir zuletzt hier und hier dargestellt. Aber auch in Pressestellen versteht man sich auf dieses Geschäft, wie hier beispielhaft am Pressedienst „Heute im Bundestag“ (hib) der Bundestagsverwaltung gezeigt werden soll. Das Thema, welches die Deutschen am meisten beschäftigt, nämlich der Umgang mit Flüchtlingen und vor allem die Kosten für deren massenhaftes Einwandern, wird in einem aktuellen Pressetext einfach weggelassen.

Es geht hier um den Entwurf des Bundeshaushalts für das Jahr 2019 und die mittelfristige Finanzplanung des Bundes bis 2022. Die Entwürfe werden von der Regierung dem Bundestag zugeleitet. Die mittelfristige Finanzplanung hat die Drucksachennummer 19/3401 und wird ebenso wie der eigentliche Haushaltsentwurf ab Herbst im Bundestag debattiert und dann beschlossen. Der Bundestags-Pressedienst hib gibt zu all den Dokumenten jeweils Pressemeldungen heraus, die den Besuchern der website bundestag.de einen schnellen Überblick verschaffen sollen, was im Plenum ansteht.

In der Finanzplanung seien die „maßgeblichen finanzwirksamen Vorhaben der Bundesregierung, die als prioritäre Maßnahmen in den Koalitionsvertrag eingeflossen sind“, vollständig abgebildet, zitiert hib in einer Meldung vom Freitag, den 17. August 2018, die Bundesregierung. Das mag sein, aber hib selbst bildet die finanzwirksamen Vorhaben nicht vollständig ab.

Die Leser erfahren viel über Investitionen, die digitale Infrastruktur, Entwicklung der Staatseinnahmen und der Sozialleistungen. Nur über die Asylkosten erfahren die Leser – nichts. Dabei hat die Bundesregierung der Darstellung dieser Kosten und ihrer Entwicklung im Finanzplan ein eigenes Kapital gewidmet und die erwarteten Kosten auf Seite 37 des Dokuments in einer nicht zu übersehenden Tabelle zusammengefasst – es sei denn, man will diese Tabelle bewusst übersehen.

Der Tabelle ist zu entnehmen, dass die „Gesamtbelastung Bundeshaushalt ohne Entlastungen Länder und Kommunen“ von 2017 bis 2022 85,3 Milliarden Euro betragen wird. Hinzu kommen noch die Entlastungen der Länder und Kommunen, die für 2017 mit 6,56 und für 2018 mit 5,56 Milliarden Euro angegeben werden. Angaben für weitere Jahre macht die Regierung nicht, begründet dies mit „k.A.“ (keine Angabe). Schreibt man den 2018-er Betrag bis 2022 fort, ergeben sich weitere 34,36 Milliarden Euro. Die Gesamtbelastung des Bundeshaushalts mit Entlastung der Länder und der Kommunen für Asylkosten beträgt also zwischen 2017 und 2022 119,66 Milliarden Euro.

Das ist mehr als doppelt so viel wie der Bund in diesem Zeitraum für familienpolitische Maßnahmen übrig hat (51,31 Milliarden Euro). Und mehr als doppelt so viel wie für Bundesfernstraßen vorgesehen ist (57,1 Milliarden Euro). Kein Wunder also, dass Kinder bekommen in Deutschland ein Armutsrisiko ist und Straßen und Brücken so marode sind.

Aber solche Vergleiche sollen die Leser von hib und bundestag.de offenbar nicht ziehen dürfen. Man kann ihnen ja nicht jede Wahrheit zumuten. Wie damals in der DDR, wo Information nicht Wiedergabe von Fakten, sondern Selektion bedeutete.

Wie die Sache eines Tages enden wird, ist am Beispiel der DDR auch gut zu studieren. Die Belogenen und Betrogenen werden Lügen und Betrug erkennen und sich gegen das System erheben.

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2 Antworten zu Wie gelogen wird: Bundestag lässt Asylkosten weg

  1. Schonlängerhierlebende schreibt:

    Prof. Heinsohn sagte bei seinem Vortrag an der Uni Ulm, er habe versucht, die Kosten seriös zu ermitteln, was ihm extrem schwierig gemacht worden sei. Nach den Ergebnissen seiner umfangreichen Recherchen müsse man von etwa 50 Milliarden Euro/JAHR ausgehen!!!

  2. kaladhor schreibt:

    „Wie die Sache eines Tages enden wird, ist am Beispiel der DDR auch gut zu studieren. Die Belogenen und Betrogenen werden Lügen und Betrug erkennen und sich gegen das System erheben.“
    Genau das bezweifle ich. Wenn man sich ansieht, wie die Stimmung in der DDR in den letzten Jahren vor dem Mauerfall war, dann konnte man feststellen, dass sehr viele DDR-Bürger die Nase gestrichen voll hatte von ihrem Staat und ein Großteil der „Berichterstattung“ fand nur noch für die regierende Kaste statt.
    Heute ist eine große Mehrheit der Bevölkerung felsenfest davon überzeugt, dass das alles genau so passieren muss und nicht anders. Der deutschen Bevölkerung ist meiner Meinung nach in großen Teilen durch die jahrezehntelange Indoktrination und das Weichspülen durch gleichgeschaltete Medien der freie Wille und die Fähigkeit des kritischen Denkens abtrainiert worden. Da wird rein gar nichts passieren, dieses Land ist verloren und die, die das bereits festgestellt haben, kehren diesem Land schon seit geraumer Zeit den Rücken.

    Nein, in diesem Land wird es nicht zu Erhebungen kommen, zumindest nicht wegen der fortlaufenden Lügen des Systems.

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