30 Jahre Mauerfall – Wie ein Jubiläum verschwiegen wird

Vor bald 30 Jahren – am 9. November 1989 – siegte die Freiheit in Deutschland gegen die Systeme: Die Berliner Mauer fiel; die innerdeutsche Grenze verschwand, der Weg zur deutschen Einheit wurde frei. Die Regierenden in Ost-Berlin hätten freiwillig nie die Tore aufgemacht, wie US-Präsident Ronald Reagan 1987 gefordert hatte. Das Volk erzwang die Öffnung. Und im Westen war Willy Brandts Wort von der deutschen Einheit als „Lebenslüge“ der Bundesrepublik längst (heimliche) Staatsräson geworden. Beide Systeme hatten sich im jeweiligen Landesteil bequem eingerichtet. Kein Wunder, dass den heutigen Vertretern der damaligen Systemparteien nicht sonderlich zum Feiern zumute ist. So sieht das amtliche Gedenken zum 30-jährigen Jubiläum des Mauerfalls weder Sonderbriefmarken noch Sondermünzen vor. Dabei sind Münzen und Briefmarken die Aushängeschilder und Botschafter eines jeden Staates.

Das deutsche Sonderbriefmarkenprogramm sieht für den November und Dezember, also den Zeitraum des Mauerfalls, eine Reihe von Veröffentlichungen vor: Der Trickfilmfigur „Heidi“ wird ebenso eine Veröffentlichung gewidmet wie „Pippi Langstrumpf“ oder der Sendung „Beat-Club“ von Radio Bremen. Was ist das für ein Land, das einer Sendung, in der oftmals völlig bekiffte Musiker ihren Schrott ablieferten, eine Sonderbriefmarke widmet, einem der größten Ereignisse in der nationalen Geschichte jedoch nicht? Ein Engländer prägte für so ein Land den treffenden Ausdruck: „Hippie State.“

Und es stimmt, wenn man das Gedenkmünzenprogramm für 2019 betrachtet. 100 Jahre Frauenwahlrecht, 70 Jahre Bundesrat, Serie „Luft bewegt“ und „Das tapfere Schneiderlein“ sind einige der Motive – aber nichts zum Mauerfall.

Es ist nicht das erste Mal, das wichtige Jubiläen „vergessen“ werden. Den 25. Jahrestag der deutschen Einheit ignorierte das Bundesfinanzministerium, das für die Münzen und Briefmarken zuständig ist, zunächst ebenfalls. Offenbar gab es aber Proteste. Wir berichteten damals: „Hastig wurde das Münzenprogramm ausgeweitet. Das Bundesfinanzministerium griff zurück auf einen nicht zum Zuge gekommenen Entwurf für das 20-jährige Jubiläum, ließ die Zahl von 20 auf 25 ändern und ein Zwei-Euro-Stück mit Brandenburger Tor und der Aufschrift „Wir sind ein Volk“ prägen. Als Schmankerl kam man dann noch auf den Gedanken, eine Münze mit diesem Motiv mit 999er Silber herauszugeben.“

Beim Blick auf das Münzausgabeprogramm der Republik Frankreich für 2019 können sich Deutsche nur noch für ihre Regierung schämen. Die Franzosen legen gleich eine Serie von Sondermünzen zum Mauerfall-Jubiläum auf. Besonders eindrucksvoll sind Ausgaben in Form eines Mauer-Blocks, das einen durch den Beton kommenden NVA-Soldaten mit einer Rose in der Hand zeigt. „30 Jahre Mauerfall“ steht auf deutsch auf den Münzen. Zwei- und Zehn-Euro-Stücke zeigen jubelnde Menschen, die durch ein Loch in der Mauer strömen – darüber Friedenstauben.

Wie das „Deutsche Münzen-Magazin“ berichtet, plant die Bundesregierung, das französische Zwei-Euro-Stück zu übernehmen und mit identischem Motiv herauszugeben.

Zwei Euro, abgekupfert aus Frankreich – mehr ist dieser Regierung der Mauerfall nicht wert. Ein absolutes Armutszeugnis.

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2 Antworten zu 30 Jahre Mauerfall – Wie ein Jubiläum verschwiegen wird

  1. Warum sollte man auch – nach erfolgreicher Übernahme der West-BRD – noch groß auf die taktische Aufgabe des antifaschistischen Schutzwalles eingehen…?

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