Relotius-Bingo – Folge 6: Wie Interviews im TV geschnitten werden

Eine besonders fiese Relotiade, die kaum noch zu toppen ist und selbst Claas Relotius hätte staunen lassen, war im Berlin/Brandenburger Staatsfernsehen rbb zu sehen. Opfer war diesmal sogar ein Grüner – aber einer von den „bösen Grünen“. Ja, die gibt es auch, zum Beispiel Boris Palmer, der Oberbürgermeister in Tübingen ist, die Zuwanderung von Millionen nach Deutschland kritisch betrachtet und Berlin nicht als kreatives, vielfältiges und tolerantes Zentrum betrachtet, sonders als das, was es ist: ein von unfähigen Sozialdemokraten und Kommunisten beherrschtes Dreckloch, in dem außer dem Drogenhandel kaum noch was funktioniert.

Auf dem Blog von Vera Lengsfeld heißt es:

Redakteure des öffentlich-rechtlichen Senders rbb haben Palmer in einem Interview anlässlich seines Berlin-Besuchs eine gefälschte Antwort in den Mund gelegt. Als Antwort auf eine nachträglich eingesprochene Frage an Palmer hatte der rbb Gelächter Palmers als Antwort eingefügt. Die rbb-Moderatorin hatte den Beitrag zudem mit einem abschätzigen Kommentar abmoderiert: “Okay, das ist dann auch ‘ne Antwort”. Das kritische Journalisten-Portal “Übermedien” kam der Fälschung auf die Schliche.

Der rbb hatte nachträglich, “aus dem Off” gesprochen, eine Frage an Boris Palmer in die TV-Aufnahmen eingefügt: “Herr Palmer, würden Sie denn nach dem heutigen Tag Ihren Satz mit dem Verlassen des funktionierenden Teils Deutschlands wiederholen?”. Im Anschluss an die Frage wurde – nach einem Schnitt – Gelächter Palmers eingefügt.

Auf die gefälschte Frage und Antwort aufmerksam gemacht, teilte der Rundfunk Berlin Brandenburg (rbb) zunächst mit, es habe sich um Satire gehandelt. Man werde in der rbb-Mediathek entsprechend darauf hinweisen.

Später äußerte sich jedoch die Nachrichtenmoderatorin der “rbb-Abendschau”, die den Beitrag abmoderiert hatte, ganz anders: Sie sei davon ausgegangen, dass Palmers Antwort echt gewesen sei. Von der Verfälschung habe sie nichts gewusst. Daraufhin löschte der rbb den Beitrag komplett aus seiner Mediathek.

Der Südwestrundfunk hatte – anders als der rbb – korrekt berichtet. Auf die rbb-Fake News war das Nachrichtenportal “Übermedien” aufmerksam geworden. Das Portal hat zunächst Palmer nach der merkwürdigen Gelächter-Antwort befragt. Dieser konnte sich daran nicht erinnern. Daraufhin hatte “Übermedien” weiter recherchiert und beim rbb um Auskunft nachgefragt.

Das Portal “Übermedien” hat es sich eigenen Angaben zufolge zur Aufgabe gemacht, die Arbeit ihrer Journalisten-Kollegen kritisch zu begleiten. Übermedien wurde 2017 mit dem Bert-Donnepp-Preis für Medienpublizistik ausgezeichnet. Im selben Jahr belegte das Portal bei den „Journalisten des Jahres” den zweiten Platz in der Kategorie „Entrepreneur des Jahres”. Im Jahr 2018 war “Übermedien” für den Grimme Online Award nominiert.

Soweit die Nachricht auf dem Blog von Vera Lengsfeld. Der Bericht bei Übermedien einschließlich Beweisvideo ist hier zu finden.

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2 Antworten zu Relotius-Bingo – Folge 6: Wie Interviews im TV geschnitten werden

  1. Ein derartiger Betrug hätte noch vor 30 Jahren ein paar „Köpfe gekostet“, ein ARD-Brennpunkt wäre direkt nach der Tagesschau gekommen.
    Heute: Still ruht der See.
    War was?

  2. Jeeves schreibt:

    Als Berliner muss ich sagen: Die Stadtreinigung (BSR) funktioniert noch ganz gut.
    (Wahrscheinlich sitzen da ausnamsweise mal keine ex-Politiker auf den Frühstücksdirektorensesseln).

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