Neues vom Hochstapler: Döpfner will Ebay kaufen

Nein, natürlich will der Vorstandsvorsitzende von Axel Springer, der Hochstapler Mathias Döpfner, nicht das ganze Ebay kaufen. Aber das Kleinanzeigenportal des US-Konzerns (in Deutschland mobile.de, ebay Kleinanzeigen), das angeblich auf Druck von Hedgefonds verkauft werden soll, interessiert Springer. Die Zeitschrift Capital zitiert einen ungenannt bleibenden Springer-Verantwortlichen: „Es ist klar, dass uns das interessiert.“

Mit dem Kaufpreis ist es so eine Sache: Capital spekuliert, das Ebay-Portal könne zehn Milliarden Dollar kosten. Der Happen ist für Döpfner doch etwas sehr groß: Die Marktkapitalisierung von Springer an der Börse beträgt gerade 4,8 Milliarden Euro, etwas mehr als die Häfte des Ebay-Preises. Das weiß natürlich auch der Capital-Schreiber und meint, es sei denkbar, dass sich Döpfner mit einem Finanzinvestor zusammen tun werde.

Das ist allerdings undenkbar. Ein Investor würde Einblick in die Bücher von Springer verlangen – ein echtes Problem für Döpfner, der vom Verkauf der Substanz und großmäuligen Ankündigungen lebt. Nur zur Erinnerung: Alle Regionalzeitungen und fast alle Zeitschriften sind verkauft, der noch nicht fertiggestellte Neubau gegenüber dem Springer-Hochhaus in der Rudi-Dutschke-Straße in Berlin-Kreuzberg ist für 475 Millionen Euro verkauft worden. Alle wertvollen Immobilien sind weg bis auf das Hochhaus.

Die Auflagen der dem Konzern verbliebenen Titel befinden sich im freien Fall (genannt werden nur Abonnements und Einzelkauf; Bordexemplare und in Mensen oder Hotels ausgelegte Zeitungen sind keine Verkäufe). So verlor BILD im vierten Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahresquartal 9,8 Prozent und kommt noch auf eine Auflage von 1,3 Millionen. DIE WELT verliert 11,7 Prozent und hat noch 76.455. Genauso katastrophal laufen die Sonntagsblätter: Die Bild am Sonntag verliert 11,3 Prozent und kommt noch auf 726.629 verkaufte Exemplare. Die Welt am Sonntag verkauft 219.248 Stück (minus 2,9 Prozent).

Angeblich verdient Springer viel Geld im Internet. Doch wer sich die Auftritte von Beteiligungen im Ausland anschaute, fand viele seltsam leblos wirkende Internet-Auftritte oder im Inland faktisch werbefreie Seiten wie das hochgelobte Portal „Business Insider“ (Wichtiges Thema auf dem Portal am 26. März: ‚So viel kostet eine Flasche Bier in den neun günstigsten Städten der Welt‘ ) .

Von der Schlüsselinvestition Aufeminin trennte sich Springer wieder: „Während andere Digital-Papiere von Rekord zu Rekord eilten, verlor die Aktie des von Springer dominierten Aufeminin-Portals in den letzten zehn Jahren zwölf Prozent ihres Werts. Sie fiel von 29,65 Euro auf zuletzt 26,22 Euro“, schrieben wir anlässlich des Verkaufs. Wer den digitalen Reinfall von Springer nicht glaubt, sollte nach einem anderen angeblichen Glanzstück des Konzerns googlen: Upday ist von Springer und auf jedem Samsung-Handy vorinstalliert. Bei Google zeigt die Trefferliste ab Rang zwei Tipps an, zum Beispiel: Upday – So werden Sie die Eilmeldungen los oder „Wie kann ich upday deaktivieren“ oder ganz praktisch von Heise: „Sie werden auch mit nervigen Neuigkeiten der App „Upday“ belästigt? Wir zeigen Ihnen, wie Sie die App dauerhaft deaktivieren können.“ Schlimmer geht’s nimmer. Die potenziellen Kunden fühlen sich von Springer genervt und ergreifen die Flucht.

Faktisch verdient Springer – nichts. Es gehört aber zum Wesen von Hochstaplern wie Döpfner, dass sie mit immer größeren Projekten kommen müssen – Elon Musk von Tesla ist auch so ein Fall. Hinzu kommt ein hoher Unterhaltungswert des Hochstaplers. 2015 wollte Springer angeblich die britische „Financial Times“ kaufen, konnte aber mit dem asiatischen Investor nicht mithalten, der 1,2 Milliarden Euro geboten und den Zuschlag erhalten hatte. Und jetzt Ebay für zehn Milliarden Dollar?

Zu Springers Ziel, ein Digitalkonzern zu werden, wäre eine wichtige Beteiligung möglich gewesen, als die Telekom sich von ihrem Portal t-online trennen wollte: Millionenhafte Zugriffe von Telefontarif-Interessenten und Mailfach-Besitzern waren garantiert. Wieder reichte das Geld nicht. T-online ging an den Werbekonzern Ströer (im S-Dax – Wertpapierkennnummer: DE0007493991), der mit einer Marktkapitalisierung von 2,8 Milliarden Euro Springer (noch im M-Dax) mit 4,8 Milliarden immer näher kommt.

An der Börse wird die Zukunft gehandelt. Jeder Hochstapler fällt hier eines Tages auf die Nase. Aus der Entwicklung des Aktienkurses von Springer (Wertpapierkennnummer DE0005501357) lässt sich der Schluss ziehen, dass Springer massive Probleme hat: Der Kurs sank seit dem 26. März 2018 von 68,55 Euro auf 44,98 Euro (26. März 2019, mittags). Na klar, der Aktienmarkt in Deutschland lief letztes Jahr besch… Aber Wettbewerber Ströer verlor in diesem Zeitraum nur von 55 auf 50 Euro.

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