Warum Lufthansa gerettet wird und Wirecard nicht

Die Antwort auf die Frage, warum die Lufthansa mit einem Unternehmenswert von 4,5 Milliarden Euro mit über neun Milliarden Euro gerettet wird und warum von den Politik-Darstellern in Berlin und anderswo die Rettung niemand als das bezeichnet, was sie ist, nämlich hanebüchener Blödsinn, ist einfach: Unsere Politik-Darsteller steigen jeden Freitag in Berlin in Lufthansa-Maschinen (natürlich Business-Class) und lassen sich auf Steuerzahlers Kosten nach Hause fliegen. Zuvor nehmen sie noch einen Drink in der Lufthansa-Lounge, wo man noch ein Schwätzchen mit guten Bekannten halten kann wie zum Beispiel dem Vielflieger und Chef der Deutschen Umwelthilfe, Jürgen Resch. Am Montagmorgen kommen sie alle mit Lufthansa wieder in Berlin an. Ryanair oder Easy Jet empfinden solche Leute als eine schwere Zumutung, weil bei denen alle Passagiere gleich sind. So einfach ist das.

Womit wir bei der Frage wären, weshalb Wirecard als deutsches Vorzeigeunternehmen für die Digitalisierung nicht gerettet wurde. Diese Antwort ist auch einfach: Unsere Politik-Darsteller haben nicht die geringste Ahnung, was ein Zahlungsdienstleistungsunternehmen machen könnte. Zahlungsabwicklung heißt nicht nur für einige Damen und Herren im Reichstag: Umschlag mit Geld drin. Ein Spezialist in diesen Dingen ist übrigens Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU). Internet und Digitalisierung ist für solche Leute terra incognita.

Aber auch unsere Qualitätsjournalisten und Analysten scheinen keine Ahnung gehabt zu haben, was Wirecard macht. Ende August 2018 erfolgte eine Art Heiligsprechung durch die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ): „Es ist eine Geschichte, die so noch nicht in der deutschen Wirtschaft geschrieben wurde. Das Finanzunternehmen Wirecard hat es in weniger als 20 Jahren geschafft, von der kleinen Technologie-Klitsche zu einem Konzern aufzusteigen, der in Kürze im Dax notiert werden dürfte. Wie hat es Wirecard geschafft, die Welt zu erobern? Was kann die deutsche Wirtschaft daraus lernen?“

Bis zum Schluss waren namhafte Analysten überzeugt, dass das seit 2016 von der britischen Financial Times mit (wie man heute weiß: berechtigten) Vorwürfen wegen falscher und unvollständiger Angaben überhäufte Unternehmen eine glanzvolle Zukunft haben würde: Am 27. März nannte Berenberg eine Kurserwartung von 185 Euro, am 2. April Kepler Cheuvraux 200 Euro, am 29. April Warburg von 230 Euro und am 26. Mai Baader Bank von 270 Euro. Besonders daneben lagen am 23. April die Privatbankiers von Hauck & Aufhäuser, die bei Wirecard einen Börsenkurs von 270 Euro erwarteten. Der Kurs Anfang Juli lag rund um drei Euro. Wer Geld bei diesen Nieten im Nadelstreifen angelegt haben sollte, ist gut beraten, es sofort abzuziehen.

Denn die Geschäftsberichte von Wirecard scheint von diesen Bank-Trotteln nicht einer gelesen zu haben. Seit mehreren Jahren untersucht die HHL Leipzig Graduate School of Management die Berichte deutscher börsennotierter Aktiengesellschaften. Zu Wirecard liest man dort in einer Veröffentlichung:

„Der Bereich Reporting wies bei Wirecard sowohl im Geschäftsbericht als auch in den Zwischenberichten gerade im Bereich der Financials (der Darstellung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage) und der Prospectives (der zukunftsweisenden Darstellung der Entwicklung des Unternehmens) Defizite auf…. Beispielweise wurden in der Ertragslage keine detaillierten Informationen sowie Erläuterungen zu den wesentlichen Einflussfaktoren der Entwicklung des Umsatzes oder anderer hochrelevanter Ergebniskennzahlen dargestellt. Dabei sind Ausführungen zu diesen Kennzahlen sowohl auf Konzern- als auch auf Segmentebene einfach zu berichten und bieten den Adressaten des Geschäftsberichtes beachtlichen informativen Mehrwert. Die Zwischenberichte von Wirecard gingen genauso wenig detailliert wie der Geschäftsbericht auf die Entwicklung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage ein, da die bereitgestellten Informationen auf das Notwendigste reduziert worden sind. Ähnlich reduziert fielen die Aussagen zur künftigen Entwicklung des Unternehmens aus. So wurde nur auf eine Ergebniskennzahl eingegangen und weitergehende Informationen über die erwartete Entwicklung von Wirecard fehlten vollständig. Dabei haben die Aussagen zur erwarteten Entwicklung eine wichtige Bedeutung zur Bewertung der Zukunft des Unternehmens. Durch das Fehlen dieser so bedeutsamen Informationen können die Zwischenberichte nicht ihre genuine Update-Funktion erfüllen.“

Und das hat mal wieder niemand gemerkt? Kein Journalist, kein Analyst, keine Aufsichtsbehörde und kein Finanzministerium? Um Wirecard auf die Schliche zu kommen, hätte es gereicht, mit ein wenig buchhalterischen Kenntnissen die Berichte zu lesen. Wenn Behörden, Analysten und Journalisten schon das nicht bemerken, was übersehen die denn sonst alles noch?

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