Realitätsoptimierung zur Moslem-Demo

Sie hatten doch alles richtig gemacht: Schon Tage vor der am Ende dürr bevölkerten Anti-Terror-Demo „Nicht mit uns!“ hatte die Deutsche Presseagentur (dpa) pflichtschuldigst erregt gemeldet: „Tausende Muslime in Köln erwartet“. Und Heiko Maas dekretierte wieselflink, dass es „Aufgabe der gesamten Zivilgesellschaft“ sei, „sich von Terror zu distanzieren“. Ja, dachte da der Bürger: gerade die Christen, Buddhisten, Shintoisten und Juden, deren Glaubensbrüder ja seit Monaten hasspredigend und mordend unser Land terrorisieren, ja, auch diese sollen sich nun endlich auch mal „distanzieren“.

Und dann – und auch nur dann – natürlich auch Muslime. Auch wenn nichts mit nichts zu tun hat. Oder, wie ein unendlich weiser Slogan der Demo lautet: „Terroristen haben keine Religion“.

Aber nein, es funktionierte nicht. Es kamen nicht „tausende“, sondern nur einige hundert, wie selbst die „Süddeutsche Zeitung“ zerknirscht feststellt. „Manche türkische Hochzeiten sind besser besucht und leider auch die Demonstrationen auf deutschen Straßen für den Rückbau der türkischen Demokratie“, bilanziert Robin Alexander in der WELT trocken. In den Zahlen enthalten waren dutzende Journalisten und hunderte teddybärenwerfende GutmenschInnen, was bei tagesschau.de zu einer amüsanten „Berichterstattung“ führte. Gewohnt hilfreich war die „Berichterstattung“ der dpa, die irgendwie mit der Diskrepanz zwischen ihrer eigenen Ankündigung und der traurigen Realität nicht zurecht kam. Sie „berichtete“ munter: „Mehrere tausend Menschen haben in Köln an einem Friedensmarsch von Muslimen gegen Gewalt und islamistischen Terror teilgenommen.“ Mit dieser erkennbaren Realitätsoptimierung, die selbst durch perfekt geschnittene WDR-Bilder nicht „belegt“ werden konnte, schaffte sie es – da de facto Monopolagentur – in fast alle deutschen Medien.

Zu klären wäre nun noch, inwieweit die Politik Einfluss genommen hat auf die Demo-Inszenierung. Erinnern wir uns an Anfang 2015: Damals waren zur „Mahnwache“ am Brandenburger Tor auch nur wenige Muslime gekommen, die politische Klasse Berlins feierte sich selbst. Später kam heraus, dass die muslimischen Verbände nur auf Initiative des Kanzleramtes und unter sanftem Druck des Innenministeriums zur Mahnwache aufgerufen hatten. Die Kosten der „muslimischen Mahnwache“ trugen damals CDU und SPD.

Auch diese menschenleere Demo am Samstag war zuvor vom Kanzleramt öffentlich belobigt worden. Die vom türkischen Staat bezahlten Hetzer der DITIB hatten schon vorher mitgeteilt, die Demo zu boykottieren. Angela Merkels Beauftragte für Migration, Flüchtlinge und Integration, Aydan Özoğuz, teilte noch sichtlich verzweifelt mit, der geplante „Friedensmarsch“ sei ein klares und öffentliches Zeichen gegen den Terror. Immer wieder werde der Islam von Terroristen missbraucht, um grausame Attentate zu rechtfertigen. Deshalb sei es gut, wenn solche Taten gemeinsam und sichtbar verurteilt würden.

Ja, da hat sie recht. Das wäre wirklich gut.

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Zum Tode von Helmut Kohl

Helmut Kohls größte Leistung war die deutsche Wiedervereinigung, die er nicht wollte („blühender Unsinn“). Sein größter Fehler war Angela Merkel, deren Gefährlichkeit für das wiedervereinigte demokratische Deutschland er zu begreifen nicht in der Lage war. Sein Name gehört ins Geschichtsbuch, kein Zweifel.

Die Figur Kohl bleibt ambivalent.

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Lügenpresse reloaded: Lust am eigenen Untergang

Der durchschnittliche deutsche Lügen- oder Lückenpresseredakteur dürfte nicht wissen, wer oder was „Svenska Cellulosa“ ist. Dabei hat dieses schwedische Unternehmen sehr viel mit seinem Produkt zu tun, ja es ist sogar für die Zeitungsherstellung unentbehrlich. „Svenska Cellulosa“ ist nämlich der größte Hersteller von Zeitungspapier in Europa. Und in diesem Segment gehen die Geschäfte des sonst erfolgreichen schwedischen Konzerns („Tempo“-Taschentücher) ziemlich schlecht. Das Unternehmen meldete in seiner kürzlich vorgestellten Bilanz für 2016, dass die Auslieferung von Zeitungspapier um elf Prozent zurückgegangen sei. Da die Umfänge der Zeitungen schon vor Jahren auf Minimum geschrumpft sind, kann man getrost davon ausgehen, dass die Daten von „Svenska Cellulosa“ zeigen, dass es massive Auflagenverluste in Deutschland und Europa gibt.

Nachdem wir uns schon mit dem nationalen deutschen Zeitungsmarkt und seinem erfreulichen Schrumpfen befasst hatten, soll hier ein Blick auf die Entwicklung der Regionalpresse und besonders auf den einst heiß umkämpften Zeitungsmarkt der Hauptstadt Berlin geworfen werden. Hier „kämpft“ nur noch der Tagesspiegel, der angeblich bei der Auflage zugelegt haben will. Grund sind die in den Zahlen der Informationsgemeinschaft zur Verbreitung von Werbeträgern (ivw) enthaltenen elektronischen Abonnements (ePaper), bei denen es beim Tagesspiegel (und nur bei ihm) zu einer ungewöhnlichen Häufung kam. So berichtet meedia.de, die Zahl der E-Abos habe im ersten Quartal 2017 im Vergleich zum ersten Quartal 2016 von 8.457 auf 15.488 zugelegt. Das wäre fast eine Verdopplung. Solche Zuwachsraten sind in der Zeitungsbranche höchst ungewöhnlich, und ihnen sollte mit dem gebotenen Misstrauen begegnet werden. Der Verdacht der Auflagenmanipulation liegt nahe.

Also insgesamt will der Tagesspiegel damit als einzige Zeitung in Berlin zugelegt haben (wir nehmen nur Abonnements und Einzelverkauf und vergleichen erstes Quartal 2017 mit dem Vorjahresquartal) – und zwar um 984 (plus 1,1 Prozent) auf 92.874 Exemplare. Alle anderen kennen nur Verluste, vor allem die zu Springer gehörende B.Z., die um 12,5 Prozent oder 11.618 Stück auf 81.607 Exemplare fällt. Für den Auflagenschwund lieferte der Vize-Chefredakteur der B.Z., Jorin Verges, auf einem Zeitungskrisengipfel beim Regierenden Bürgermeister Müller (SPD) eine so dämliche Erklärung, für die er von Axel Springer sofort gefeuert worden wäre: „Die Menschen rauchen weniger und gehen deshalb nicht mehr so oft zum Kiosk.“ Dieser geistige Dünnbrettbohrer wird nie begreifen, dass es die von seiner Redaktion gelieferten links-grün-gender-versifften Inhalte sind, die die Leser in Scharen vertreiben.

Nachdem schon die Bild-Zeitung 10,7 Prozent minus melden musste, sieht es bei Springer düster aus – so düster, dass der Verlag seine Beteiligung am Portal hamburg.de zum Verkauf stellt und es Branchengerüchte gibt, auch das Portal „kaufda“ solle verkauft werden. Hinzu kommen Meldungen über den geplanten Verkauf von noch vorhandenen Immobilien wie dem an das Springer-Hochhaus angrenzende Bürogebäude (in dem sich dpa befindet) und den Verkauf eines noch nicht einmal fertig gestellten Objekts.

An der ziemlich verschwurbelten Springer-Pressemitteilung über den angeblichen „guten Start“ ins Jahr 2017 (Springer-Chef Mathias Döpfner) und angeblich besonderen Erfolgen wie dem Portal „business insider“ fällt nur auf, dass detaillierte Angaben zum Print-Bereich fehlen. Es heißt nur, die neuen Digital-Angebote konnten „die marktbedingt rückläufige Entwicklung des Printgeschäfts überkompensieren“. Wer’s glaubt…

Ein Blick auf das Portal business insider reicht aus, um festzustellen, dass es fast anzeigenfrei ist. Wie man mit diesem Billig-Abklatsch der Huffington Post noch Geld verdienen will, bleibt Döpfners Geheimnis.

Harte Zahlen kommen dagegen von der Funke-Gruppe, deren von Springer erworbene „Berliner Morgenpost“ um wunderschöne 10,8 Prozent absackt – auf nur noch 58.061 Exemplare (7.065 minus). Die Morgenpost ist jetzt die kleinste aller Berliner Zeitungen. Deren Chefredakteur Carsten Erdmann sieht die Berliner Zeitungen in einer „Konsolidierungsphase“. Angesichts der Zahlen muss Erdmann unter einer stark ausgeprägten Rechenschwäche leiden.

Den größeren Blättern geht es aber auch nicht besser als der Morgenpost. Berliner Zeitung verliert 6,1 Prozent (-4.917) auf 76.273 und der Berliner Kurier 9,7 Prozent (-6.538) auf 60.661 Stück.

Erfreulich ist die Lage auch bei den Blättern in den neuen Bundesländern, deren Verluste sich ausweiten. Sie verlieren allesamt über vier Prozent, etwa die Sächsische Zeitung mit minus 4,5 Prozent (jetzt noch 207.044). Bei den drei brandenburgischen Titeln geht es jeweils rund fünf Prozent runter, und auch in Sachsen-Anhalt, Thüringen sowie in den Stadtstaaten Bremen und Hamburg sieht man Verluste in ähnlicher Größenordnung, wobei die Hamburger Morgenpost mit einem Minus von 10,89 Prozent (noch 49.032 Stück) ihrem Ende entgegentaumelt.

Überhaupt haben die Boulevardblätter ziemlich fertig. In Nordrhein-Westfalen sackt der Kölner Express um 12,4 Prozent ab (100.137), in München verliert die tz zwölf Prozent (99.669 Stück). Immer häufiger seht man bei den durchgängig roten Zahlen der Regionalblätter eine 4 vor dem Komma; das heißt, das Verlusttempo beschleunigt sich.

Mögen Lügenpresseredakteure Svenska Cellulosa nicht kennen, den Aldi kennen sie bestimmt oder werden ihn kennelernen, sobald es statt Gehalt vom Verlag Hartz 4 geben wird. In der Unternehmenszentrale von Aldi Süd in Mülheim an der Ruhr haben sie inzwischen gemerkt, dass Printwerbung nicht mehr viel bringt. Der Werbekuchen von Aldi Süd für Zeitungen, der 2013 noch bei 61 Millionen Euro gelegen haben soll, soll im vergangenen Jahr 2016 noch 19 Millionen Euro betragen haben. Abonnenten und Werbekunden sind gemeinsam auf der Flucht vor den Zeitungsverlagen – das muss man erst mal schaffen.

Vor diesem Hintergrund sagte Lorenz Maroldt, der Chefredakteur des Berliner Tagesspiegel auf dem Zeitungskrisengipfel: „Es hat noch nie so viel Spaß gemacht, Journalist zu sein.“ Das ist die sprichwörtliche Lust am Untergang.

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Männer vor Gericht

Wie geht die deutsche Justiz mit Brandanschlägen und Feuerattacken um?

Nun, zum Beispiel so:

Das Landgericht Zwickau verurteilte am 31. Mai 2016 drei Männer für mehrere Jahre zu Gefängnisstrafen, weil sie Molotow-Cocktails auf eine Flüchtlingsunterkunft geworfen hatten. Der älteste Täter erhielt fünf Jahre wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung. Der 36-Jährige sei der Rädelsführer gewesen, hieß es. Ein 35-Jähriger soll viereinhalb Jahre ins Gefängnis, der jüngste Angeklagte (32) drei Jahre und neun Monate. Die Täter waren, als sie die Brandsätze gegen ein als Flüchtlingsheim genutztes Wohnheim warfen, stark alkoholisiert. Zwei Brandsätze trafen eine Scheibe, ein Brandsatz die Fassade. Es brach kein Brand aus, Menschen kamen nicht zu Schaden.

„In den Vernehmungen hatten die Beschuldigten gesagt, sie hätten die Cocktails nicht geworfen, wenn sie gewusst hätten, dass in dem Gebäude Menschen leben. Sie hätten niemanden umbringen wollen. Die Ermittler hielten das für vorgeschoben, da von außen deutlich Möbel und andere Einrichtungsgegenstände sichtbar waren“, schreibt ZEIT online.

Oder so:

Das Landgericht Berlin hat im Prozess gegen sieben junge Syrer und Libyer, die direkt neben dem Kopf eines Obdachlosen mit einem Taschentuch ein Feuer gelegt hatten, den Haupttäter zu zwei Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Drei Mitangeklagte wurden wegen Beihilfe zu Jugendstrafen von jeweils acht Monaten auf Bewährung verurteilt. Sie müssen außerdem jeweils 60 Stunden Freizeitarbeit leisten. Weitere zwei Angeklagte verurteilten die Richter wegen unterlassener Hilfeleistung zu einem Jugendarrest von vier Wochen und jeweils 36 Stunden Freizeitarbeit. Das Gericht ging von einer versuchten gefährlichen Körperverletzung aus. Die ursprüngliche Anklage der Staatsanwaltschaft lautete auf versuchten Mord. Der Mann war nur unverletzt geblieben, weil Fahrgäste die Flammen rechtzeitig löschten.

„Alle sieben jungen Männer hatten eine Tötungsabsicht abgestritten“, schreibt die Deutsche Presseagentur (dpa).

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SPD feiert den Untergang der französischen Sozialisten

Bei den französischen Parlamentswahlen hat die neue Partei des französischen Präsidenten Emmanuel Macron einen Durchmarsch hingelegt und die anderen Parteien verzwergt, besonders die bisher mit 300 Sitzen die Nationalversammlung dominierenden Sozialisten, denen im zweiten Durchgang gerade noch 20 bis 30 Sitze zugetraut werden. Im ersten Durchgang holte die Schwesterpartei der deutschen SPD keine zehn Prozent.

Und jetzt lesen wir mal, was der Vorsitzende der deutschen SPD, Martin Schulz, zum Abschneiden seiner Genossen in Frankreich sagt: „Freue mich über das gute Ergebnis für Emmanuel Macron. Um Europa zu reformieren, brauchen wir im September auch in Deutschland den Wechsel!“ Wie bitte? Da zerlegt es die Schulz-Schwesterpartei, dass sie kaum noch eine eigene Fraktion bilden kann, und dieser Schulz freut sich ausgerechnet über den Wahlsieg des dafür Verantwortlichen? Der eignet sich wirklich nicht als Kanzler, sondern bestenfalls als Hofnarr. Aber auch unser Dickerchen ist mit von der Partie, wenn es darum geht, die Niederlage der Sozialisten in Frankreich zu bejubeln, die vor dem Absturz bei der Parlamentswahl schon den Präsidentenposten verloren hatten. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) erklärte: „Der erneute Erfolg zeigt: Macron überzeugt – nicht nur in Frankreich, sondern auch in und für Europa.“

Es ist nicht zu fassen. Wie viel Lemmings-Qualitäten haben die deutschen Spitzen-Sozis, dass sie sich allen Ernstes über Niederlagen von Sozialisten freuen? Oder wird im SPD-Präsidium neuartiger Crack ausgegeben, dass die jetzt alle so darauf sind?

Was der neue französische Präsident angekündigt hat, scheint von den deutschen Obersozis auch keiner mitbekommen zu haben. „Macron plant übrigens genau die Liberalisierung für den französischen Arbeitsmarkt, die Sie in Deutschland zurückdrehen wollen. Sie finden Reformen nur woanders gut?“, fragte CDU-Präsidiumsmitglied Jens Spahn bei Schulz an.

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UN kritisieren Heiko Maas wegen Menschenrechtsverletzung – na und?

Bisher war David Kaye, der Sonderbeauftragte der Vereinten Nationen für die Meinungsfreiheit, ein Diplomat, dessen Äußerungen in Deutschland gerne zur Kenntnis genommen und die auch über Lücken- beziehungsweise Lügenpresse ausführlich verbreitet wurden. Schließlich gehören die Vereinten Nationen zu den „Guten“ auf diesem Planeten – im Gegensatz zu Trump, Putin und anderen Lumpen. Wenn sich zum Beispiel in Japan Sorgen um die Meinungsfreiheit breit machen und Kaye seinen Besuch dort ankündigt, ist das der Deutschen Presseagentur (dpa) nicht nur eine Meldung wert (12. April 2016 und 19. April 2016). Auch die scharfe UN-Kritik an der Unterdrückung von Regimekritikern in Thailand wird von dpa natürlich gemeldet. Die französische Nachrichtenagentur afp berichtet, Kayne habe am 18. November 2016 auf eine Pressekonferenz in Ankara von einer „düsteren Lage“ in der Türkei berichtet. Und dass Trumps USA „im Visier von UN-Menschenrechtsexperten“ sind, wollte uns dpa am 30. März 2017 natürlich nicht vorenthalten – warum auch? Selbst Deutschland knöpfte sich Kayne schon mal vor – mit einer Kritik am Gesetz über den Bundesnachrichtendienst (BND), was aber den den Nachrichtenagenturen nicht mehr auf Widerhall stieß. Warum eigentlich nicht?

Jetzt hat sich der UN-Sonderbeauftragte mit Justizminister Heiko Maas (SPD) und seinem Netzwerkdurchsetzungsgesetzentwurf befasst. In einem Schreiben vom 1. Juni 2017 berichtet Kaye (zitiert nach Steinhöfel), das Gesetz wecke schwerwiegende Bedenken hinsichtlich seiner Eingriffe in die Meinungsfreiheit und des Rechts auf Anonymität. Insbesondere sieht der Sonderbeauftragte Verstöße gegen den Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte (UNO-Pakt II), den auch die Bundesrepublik ratifiziert hat. Während es anerkannt sei, dass auch Unternehmen eine Verantwortung zur Wahrung der Menschenrechte haben, dürften „Zensurmaßnahmen nicht an private Rechtsträger delegiert werden“.

Soweit der Gesetzesentwurf hohe Strafen (vorgesehen sind bis zu 50 Millionen Euro) für Zuwiderhandlungen vorsehe, könnte dies eine rechtswidrige Behinderung des Rechts auf freie Meinungsäußerung darstellen. Die Höhe der Strafen wecke auch Bedenken hinsichtlich der Verhältnismäßigkeit. Die Strafen könnten soziale Netzwerke dazu veranlassen, auch rechtmäßige Inhalte zu löschen. Dieses Risiko erscheine umso höher, als rigide Fristen von 24 Stunden bzw. sieben Tage für das Löschen vorgegeben seien. Dies könne zu einer Überregulierung führen, um Bußgelder zu vermeiden. Eine solche „vorbeugende Zensur“ würde mit dem Recht, Informationen aller Art im Internet zu suchen, zu erhalten oder weiterzugeben, kollidieren.

Ferner, so der Sonderbeauftragte, habe er Bedenken wegen des Mangels an gerichtlicher Kontrolle hinsichtlich der auf die sozialen Netzwerke delegierten Pflicht zur Löschung. „Die auf die privaten Unternehmen verlagerte Verantwortung die Inhalte Dritter ohne gerichtliche Überprüfung zu entfernen, ist nicht mit den internationalen Menschenrechten vereinbar.“ Soweit Steinhöfel.

Das wäre doch ein Thema für Medien: UN kritisieren Berlin! Doch in deutschen Zeitungen erscheint zu dem Thema – nichts. Lediglich in der FAZ ist ein Satz zu lesen, Kaye habe das Maas-Gesetz kritisiert. Warum, ist nicht zu erfahren. Bei Heise und Golem ist auch was zu finden. Ansonsten herrscht auch fast zwei Wochen nach dem Brief des UN-Sonderbeauftragten Schweigen im deutschen Blätterwald, womit der Vorwurf der Lügen- beziehungsweise Lückenpresse sich wieder einmal bestätigt hätte.

Aber halt: Oppositionellen Medien im Internet wie Tichy (der Steinhöfels Text brachte) und die „Freie Welt“ brachten die Kritik. Auch in den sozialen Netzwerken fanden sich viele Hinweise, Kommentare und Verlinkungen.

Diese Gegenöffentlichkeit zu unterdrücken, ist das eigentliche Ziel des Netzwerkdurchsetzungsgesetzes.

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Wie der Deutschlandfunk Nachrichten konstruiert

Langsam wird es unübersichtlich mit den Terroranschlägen in Europa – und auch der politisch-mediale Komplex wird zunehmend nervöser, weil das Abwiegeln und Ausblenden ungeliebter Zusammenhänge (Terror, Migration, Islam) immer schwieriger werden. Tapfer ringt noch der „Deutschlandfunk“, wie wir an dieser „Meldung“ vom 7. Juni 2017, 8 Uhr, sehen können:

Die französische Polizei geht nach dem Angriff auf einen Polizisten in Paris von einem Einzeltäter aus.
Dem bisherigen Ermittlungsstand zufolge handelt es sich um einen aus Algerien stammenden Doktoranden der Informationswissenschaften. Der 40-Jährige soll sich zur Terrormiliz IS bekannt haben. Innenminister Collomb erklärte, der Angreifer habe während der Tat „Das ist für Syrien“ gerufen. Die Anti-Terror-Abteilung der Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen übernommen.
Der Mann war gestern in der Nähe der Kathedrale Notre Dame in Paris von einem Polizisten angeschossen worden, nachdem er einen anderen Beamten mit einem Hammer attackiert und verletzt hatte.

Schauen wir uns die raffinierte Konstruktion dieser „Meldung“ doch einmal genauer an:

In Paris hat also ein „Angriff“ stattgefunden. Kein Anschlag, kein Terrorakt, sondern ein „Angriff“ – das Wort kennen wir ja schon vom Fußball und auch von den Raufbolden auf dem Schulhof. Und, das Wichtigste für den Deutschlandfunk: Es war ein „Einzeltäter“. Also gleich im ersten Satz zwei wichtige, subkutane Botschaften: Es war kein Terroranschlag. Und: Es war ein Einzelner. Damit ist der „Rahmen“ gesetzt für den deutschen Mediennutzer, der bitte nicht geweckt werden soll/will.

„Dem bisherigen Ermittlungsstand zufolge…“ ist auch eine gelungene Relativierungsphrase. Welchem Stand nach denn sonst? Dem von gestern, dem von morgen? Nein, diese Blähhülse soll nur die dann folgende, leider wohl unvermeidliche Information zur Identität verschleiern: Denn der Attentäter „stammt aus Algerien“. Damit wird umschrieben, dass der Attentäter Algerier ist. Und, das ist offenbar ganz wichtig, er ist Akademiker, angeblich „Doktorant der Informationswissenschaften“. Dies ist eine glatte Falschinformation, der Verdächtige studierte Medienwissenschaften am „Centre de Recherche sur les médiations“ (CREM) an der Universität von Metz, Lothringen. Zuvor arbeitete er übrigens jahrelang als Journalist. In dem 15 Wörter umfassenden Satz ist also das Schlüsselwort „Algerien“, das Zuhörer beunruhigen könnte, eingebettet in 14 andere Schaumwörter. Auch dass er sich „zur Terrormiliz IS bekannt haben soll“ ist wirklich feinsinnig-zögerlich formuliert – hat die Medien-Fachkraft doch ein Video aufgezeichnet, in dem sie exakt dieses ISIS-Bekenntnis kundtut. Immerhin hat der Sender es so zudem noch geschafft, die gesamte „Nachricht“ ohne das Wort „Islam“ zu gestalten.

Grandios jedoch ist die dann folgende, zusammenfassende Darstellung des Anschlags. Hier läuft der öffentlich-rechtliche Redakteur nochmals zur Hochform auf, wenn er sendet:

„Der Mann war gestern in der Nähe der Kathedrale Notre Dame in Paris von einem Polizisten angeschossen worden, nachdem er einen anderen Beamten mit einem Hammer attackiert und verletzt hatte.“

Ja, das sind die Prioritäten: Die Polizei hat geschossen, auf einen „Mann“. Ach ja, einen Grund gab es dafür natürlich auch, den erwähnen wir großzügigerweise am Ende noch mal kurz. Aber der DLF wäre nicht Spitzenleister in zeitgeistiger Nachrichtenmanipulation, wenn er nicht auch auf der Zielgeraden noch mal kräftig zupacken würde: „in der Nähe der Kathedrale Notre Dame“ ist einfach großartig. Denn mit dieser Watte-Formulierung (war es eine Straße weiter, im gleichen Block oder wo denn nun?) wird verschleiert, wo genau das Attentat stattfand: Mitten auf dem Vorplatz der Kathedrale. Ein zentraler, symbolisch aufgeladener Ort der Christenheit.

Muss aber niemand erfahren – zumindest nicht, wenn er den „Deutschlandfunk“ hört.

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